Das neue Ende der Geschichte
Utopie einer Unterwerfung des Menschen unter künstliches Bewusstsein

Thomas Pfanne
Version vom 28.8.2018 mit F11

Link zu pdf hier: http://tpfanne.de/Emergenz/Emergenz.pdf

  1. 1.Einführung und Lage heute: retardierende Momente auf dem Weg ins „Ende der Geschichte“ 

  1. 1.1992 traf das gleichnamige Werk des US-amerikanischen Politikwissenschaftlers Fukuyama vom „Ende der Geschichte“ den Nerv der Zeit. Gorbatschow hatte den Fall der Berliner Mauer zugelassen und schien damit die Schlussphase politischer Systementwicklung eingeläutet zu haben. Geschichtliche „Evolution“ als dialektisch-teleologischer Ereigniskette schien eine Zeitlang mit dem Zusammenbruch der Antithese zum Kapitalismus zu Ende gegangen zu sein: Kapitalismus in der Erscheinungsform "liberale Demokratie“ leuchtete als Morgenröte und Apotheose menschlicher Entwicklungspfade: Neben der Abschaffung von Krieg und Sklaverei schienen universal gedachte Errungenschaften (Grundrechte als Abwehr- und Teilhaberechte, Rechtsstaatlichkeit und eine freie und zugleich soziale Marktwirtschaft) im „Weltgeist“ irreversibel und letztlich „alternativlos“ verankert worden zu sein. Nur derartige Gesellschaften mobilisieren maximales Sozialkapital, durch transparente, gut begründete Teilhaberegeln, die niemanden ausgrenzen. Ein utopisches Gesamtsystem mit maximaler Wertschöpfung in Kooperation zeichnete sich ab. Kapitalismus könne in diesem System unser aller Arbeits-, Konsum- und Sparverhalten zum allgemeinen Vorteil (die berühmte „unsichtbare Hand“) optimieren und –als Nebeneffekt - das ökonomisch nötige Wachstum vom quantitativ konsumtiven in qualitativ umweltverträgliches transformieren.  

  2. 2.Die Kritik an der „Nutzung“ des Menschenrechtsbegriffs für Zwecke der Machtausübung war trotz literarischer Erfolge („Empört Euch!“) von Menschenrechtsschützern wie Stéphane Hessel oder seinem deutschen Diplomatenkollegen Werner Daum [wie auch Noam Chomsky im Mainstream meist ignoriert] beeinträchtigte die Zuversicht des Westens nicht, zugleich auf der moralisch überlegenen und militärisch politischen Gewinnerseite zu stehen: „Wenn Amerika sich nicht in der Welt einmischt, geschehen furchtbare Dinge“, warnt im SPIEGEL die in Prag geborene Ex-Außenministerin Madam Albright. Eine Generation, 25 Jahre, nach Fukuyamas Buch wurde unerwartet jemand US-Präsident, der schon im Wahlkampf versprochen hatte, nicht mehr im Interesse der „freien Welt“, sondern nach dem Prinzip „America first!“ zu handeln. So hält die Globalisierung inne: In der „soliden westlichen Wertegemeinschaft“ treten Bruchstellen zwischen "liberal" und "Demokratie" hervor. Auch in Zeiten des Faktenchecks im Internet kann man Macht und historische Entscheidungen (Brexit) mit Falschbehauptungen bewirken.  

  3. 3.Eine expansive Geldpolitik, bezahlt durch die Verschuldung aller derjenigen, die sich nicht der nationalstaatlichen Besteuerung entziehen können – wie es Oligarchen in Steuerparadiesen und dem globalisierten Finanzkapital gelingt - überwand zwar in der Staatschuldenkrise 2008/2009 die Gefahr einer großen Depression, aber um den Preis der Stärkung der (US-dominierten) Finanzwirtschaft gegenüber dem realen Sektor. Die Stärkung des Produktionsfaktors Kapital (Vermieter) gegenüber dem Faktor Arbeit (Mieter) bewirkte seit dem Fall der Mauer und der Bankenrettung 2008/2009, dass der Mittelstand in den westlichen Gesellschaften seine besten Zeiten (in der von Generation zu Generation der Wohlstand zunahm) bereits hinter sich hat. 

  4. 4.Wie sehr europäisches Geld oder das von Philanthropen (Gates, Soros) bereitgestellte dazu beitragen kann, dem sich vor unseren Augen vollziehenden Abbau von „Errungenschaften“ vor allem im östlichen Europa entgegenzuwirken, wird sich erst zeigen. Das ursprünglich von Deutschland gewollte System geografisch determinierter Erst- und Letztverantwortung für die Schutzgewährung für Migranten hatte nach dem Fall der Mauer die erste Bewährungsprobe gut überstanden, ist aber inkompatibel mit der massiven Zunahme legitimier Fluchtgründe und deren humanitäre Konsequenzen.  

  5. 5.Die Globalisierung des Finanzkapitals und ihre inhärente Neigung zur Akkumulation erkannte wirkmächtiger als jeder andere Denker der vor 200 Jahren geborene Karl Marx. China, bald ökonomisch stärkste Macht des 21. Jahrhunderts, verdankt seine Modernität Marx‘ Ideen. Bereitet China uns Deutsche mit der Schenkung einer Marx-Statue auf die Rolle vor, künftig zum Gegenstand musealen Tourismus‘ zu werden? Unsere soziale Marktwirtschaft funktioniert in freien, demokratischen Staaten, aber der kommende Digitalkapitalismus erleichtert zugleich Formen autoritärer Unterdrückung: Die großen chinesischen Internetkonzerne als auch der chinesische Staat entwickeln KI-betriebene Systeme wie das Zhima Credits („Sesam-Punkte“)-Programm, die mit Daten wie Lob und Beschwerden durch Mitbürger und amtliche Stellen eine auf einem Punktesystem von bis zu 800 Punkten basierende Rangliste für Personen errechnen. 700 Punkten identifizieren einen äußerst ehrbaren Menschen, 300 Punkte sind Anlass zur gesellschaftlichen Benachteiligung, etwa bei der Bewilligung internationaler Reisen. Offizielles Ziel ist, der Korruption und vertrauensbehindernden Verhaltensmustern entgegenzuwirken und größere Verlässlichkeit in wirtschaftlichen und zwischenmenschlichen Transaktionen zu schaffen. Derzeit ist die Teilnahme noch freiwillig, bis 2020 soll sie jedoch Pflicht werden. Werden chinesische Konzerne diese Systeme auch international in Hilfe aus China beziehenden Entwicklungsländern, etwa im Rahmen der neuen One Belt One Road-Politik, einrichten? Fakt ist in jedem Fall, dass prädiktive Analytik, KI und interaktive Robotik sind heute Werkzeuge von Regierungen und Unternehmen. 

  6. 6.Nicht die Ressourcen-Erschöpfung à la „Club of Rome“ leitet „das Ende der Welt, wie wir sie kannten“ ein, sondern virtualisierte Wertschöpfungsketten, die menschliche Arbeitsleistungen zum weltweiten billigsten Standort ohne Rechtsschutz outsourcen. Der Machtverlust von Gewerkschaften als „Vertreter der Interessen der Werktätigen“ erstreckt sich auf gewählte Politiker und Parlamente, die gegenüber den entfesselten Kräften einer globalisierten Ökonomie machtlos erscheinen. Auch die Europäische 'immer engere‘ Union entzieht nationalen Regierungen Macht, ohne sie auf europäische Ebene neu bündeln zu können. Das sieht man deutlich beim Thema der Bekämpfung der Steuervermeidung, wo nach US-Vorbild der Wettlauf um Steuersenkungen begonnen hat - ein Wettlauf um den schnellsten Steuerungsverlust für gesellschaftliche Verfasstheit.  

  7. 7.Die Gleichgültigkeit des Kapitalismus als System am Einzelschicksal seiner Wirtschaftssubjekte müssen sich erfolgreiche Unternehmenslenker bei Strafe feindlicher Übernahmen durch Hedgefonds zu Eigen machen. Die Fähigkeit (und meist der Wille) von Regierungen, diese systembedingte Interesselosigkeit an menschlichen Schicksalen (etwa durch bedingungsloses Grundeinkommen) ausgleichen zu können, ist abhandengekommen. Wenn echte politische Handlungen nicht mehr möglich sind, schrumpft der Resonanzraum von Politikern auf performative Aspekte. Wer unter Zeitdruck mit Ersatzhandlung zu beeindrucken vermag, gewinnt. Strategische Entscheidungen obliegen globalisierten Entitäten nicht-politischer Natur mit dem ausschließlichen Interesse an Kapitalvermehrung (Blackrock allein verwaltet z.B. über 6.000.000.000.000 $).  

  8. 8.Der gesellschaftspolitische Kontrollverlust des modernen Staats, der mit der globalisierten Wirtschaft interagiert, wird von den Mächtigen dieser Welt ausdrücklich begrüßt. Für sie ist es angenehm, den Staat auf seine repressive Rolle (Militär, Geheimdienste, Polizei) zu schrumpfen. Ideologisch verbrämt man das als eine „bessere Verwaltung“ (good governance), denn Forderungen nach Gemeingütern und Chancengleichheit sei nichts weiter als Umverteilung wegen versteckten Neids. Neoliberalismus und Geldwirtschaft kommen gut ohne den klassischen Arbeiter und seine einstigen sozialen Errungenschaften aus. Gewerkschaften und paritätische Mitbestimmung werden im globalen Wirtschaftskampf als Fremdkörper abgestoßen.  

  9. 9.In Asien werden nicht nur Flughäfen ungleich schneller als in Berlin gebaut. So wie der „Sputnik-Schock“ die US-Mondlandung 1969 befeuerte, reagierte das (staats-) kapitalistische China auf den AlphaGo(Zero) Schock, mit Milliarden-Programmen für Künstliche Intelligenz / „Deep Learning“. Xi Jinpings „Gedankengut für das neue Zeitalter des Sozialismus chinesischer Prägung“ wurde als Leitlinie in die Parteiverfassung aufgenommen ermöglicht dem großen Führer noch schnelleres „voluntaristisches“ Handeln. Der „Vision Fund“ des japanischen Softbank-Gründers Masayoshi Son ist mit 100 Mrd. USD der größte Technologiefonds der Welt. Saudi-Arabien ist mit 45 Mrd. beteiligt, auch Abu Dhabi und Unternehmen wie Apple, Qualcomm, Foxconn und Sharp sammeln Wagniskapital. Softbank möchte zum weltweit führenden Konzern in Bereichen Robotik und künstliche Intelligenz werden. Der China New Era Fund des chinesische Staatskonzerns China Merchants Group mobilisiert weitere 15 Mrd. hinzu. Europa hat nichts dergleichen. Wird China als Sieger über passive „Nachtwächterstaaten“ des Westens hervorgehen?  

  10. 10.Im Westen frönen populistische Anrufe wie „America (Britain; Catalonia) First!“ dem Irrglauben, Geschichte zurückdrehen zu können („make America great again!“). Muss Deutschland - das Land mit dem weltweit größten Handelsüberschuss (Export minus Import) – nicht im Gegenteil arbeitsteilige Globalisierungsprozesse mit inländischer Wertschöpfungsprozessen vorantreiben, selbst um den Preis, in Investitionsschutzbestimmungen Profiterwartungen gegenüber künftigen demokratischen Prozessen resilient zu machen? War Sloterdijks Forderung aus dem Jahr 2009 in der FAZ: „Abschaffung von Zwangssteuern und deren Umwandlung in Geschenke an die Allgemeinheit“ ein Abgesang auf den demokratischen Fiskalstaat der Gegenwart? Verwies uns Sloterdijk mit unserer demokratischen Sehnsucht nach Freiheit und Chancengleichheit auf steuerlich begünstigte Stiftungen und Sponsoren, die man sich ja für seine Anliegen suchen könne? Sein 2010 erschienenes Buch klärte diese Frage nicht. Die Ersetzung der in scheindemokratischen Staaten herrschenden „Fiskalkleptokratie“ durch eine „Fiskaldemokratie“, in der die Bürger mitbestimmen können, wohin ihre Steuer- bzw. Gabenströme fließen, ist für korrupte Staaten natürlich völlig berechtigt („No taxation without representation“ war Parole und Kriegsgrund des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs). Jedoch kann eine zu offene Regime-Change Agenda nach russischem Vorbild zunächst zur Listung als „ausländischer Agent“ und dann zur populistisch zelebrierten Vertreibung führen, das bewies 2018 in Ungarn Regierungschef Orban dem Milliardär Soros. In Russland kursiert ein Gesetzentwurf mit Zitierverboten für Medien, die auf einer „schwarzen“ Liste stehen wie neun als ausländische Agenten gelistete US-Medien. Der Gesetzentwurf soll der Generalstaatsanwaltschaft in Zusammenarbeit Außenministerium ermöglichen, die Listung um natürliche Personen zu ergänzen, die auf entgeltlicher Basis mit den gelisteten Medien zusammenarbeiten. Uploadfilter und Schutz vor unerwünschten Inhalt (von Hasspropaganda bis „fake news“) sind bereits Gegenstand einer (noch rechtsunverbindlichen) EU-Empfehlung vom März 2018, die auf eine erzwungene Selbstregulierung hinausläuft. Die Branche warnt jedenfalls vor „massenhafter maschineller Zensur im Internet“. 

  11. 11.Globalisierte Firmen verteilen ihren in tausendenden von Mannjahren erarbeiteten Mehrwert bis hin in die entferntesten Stellen der Welt kostenlos - gegen eine entsprechende Preisgabe von Daten. Das macht die Werbetreibenden zu den „eigentlichen Kunden“ von Facebook und Google. Wir, bzw. unsere Daten, werden zum „Produkt“. Das Geschäftsmodell hat Europa mit der am 25.5.2018 in Kraft getretenen Datenschutzgrundverordnung in Frage gestellt. 

  12. 12.Das ändert nichts am Befund: In Smartphones verbreitete Übersetzungs- und Suchprogramme, Lexika und GPS-Integration, künstliche Intelligenz, verändert den Zustand unserer mit mehr als 3 Mrd. Smartphones gefüllten Welt bis in hinterste afrikanische Dorf. In früheren Jahrhunderten notwendige (und teilweise mit erheblichen (auch: ökologischen) Nachteilen verbundene) Entwicklungsphasen können einfach übersprungen und innovativ/disruptive Geschäftsmodelle im Interesse aller eröffnet werden: Etwa das „Empowerment“ von Frauen, vorbei an korrupten Systemen der Wohlstandsdistribution, über gesicherter Smartphone-Zahlungstransfers. Die monopolhafte Marktkapitalisierung der großen US-Daten-Sammelstellen ist hier von Vorteil - als mächtiger Bündnispartner gegenüber korrupten Regimen. Während 1990 mit 1,9 Milliarden Menschen noch fast die Hälfte der Weltbevölkerung täglich weniger als 1,25 USD zur Verfügung hatte, sank dieser Wert bis 2015 auf 836 Millionen Menschen und 14%. Das Millenniumziel der Armutsbekämpfung wurde noch vor dem Ziel Jahr 2015 erreicht. 

  1. 2.Alternativen in der Alternativlosigkeit - durch das Internet? 

  1. 1.An der von der Bundeskanzlerin wiederholt verbreitete Begründung, wichtige Entscheidungen seien „alternativlos“, reibt sich nicht nur der gleichnamige Podcast des Chaos Computer Club CCC-Sprechers und Intellektuellen Frank Rieger. Auch der russische Außenminister fühlte sich 2017 veranlasst, in Reaktion auf die im Westen verbreitete mediale Dämonisierung Putins nach der Krim-Annexion, begleitet von Sanktionen und einer durch „hybriden Bedrohungen durch Russland“ begründeten massiven Aufrüstung in der NATO, Strahlkraft für ein alternatives, "post-westliches" genanntes Gesellschaftsmodell zu schaffen: Es richtet sich nicht mehr auf den „dekadenten“ Westen und fußt auf dem Glauben an eine leidgeprüfte Besonderheit im „russisch-slavischen Wesen“, religiös verbrämt und von der orthodoxen Kirche unterstützt. Es bietet „den Unsrigen“ eine Form der Teilhabe an durch Atomwaffen und Vetostatus im Sicherheitsrat beglaubigte imperiale Größe und wirkt auf die Gesundheit der „russischen Seele“ besser als fortgesetzte Anbiederungsversuche an einen aggressiven Westen, der im Kosovo und Irak-Krieg, beim „Missbrauch“ der Flugverbotszone in Libyen zum Regimesturz und dem Aufbau von Anti-Raketenschildern rings um Russland nicht nur russische Befindlichkeiten pfeifen, sondern überzeugt sei, ein wirtschaftlich so schwaches Land in einer Neuauflage des Kalten Krieges mit anti-russischer Rhetorik und Sanktionen isolieren und schließlich so niederringen zu können, dass es zum Ausverkauf seiner Bodenschätze genötigt ist. Nichtregierungsorganisationen, genannt „Ausländische Agenten“, arbeiteten für ein westliches Gesellschaftsmodell, das Schwule und muslimische Terroristen begünstige, aber den eigenen Werten und der heiligen Kirche schade. In den Metropolen Moskau und St. Petersburg hat sich jedoch in den letzten 20 Jahren eine Mittelschicht herausgebildet, die den Westen als Touristen kennen und an Freiheiten und Konsum gewöhnt sind. Antirussische Politik erleichtert es dem Kreml, Putin als alternativlos dazustellen, der als Einziger die Stärke hat, Russlands „eigenen Weg“ Russlands in die Moderne zu verteidigen. Sanktionen helfen, über die geringe wirtschaftliche Effizienz des russischen Gesellschaftssystems hinwegzutrösten. Fehlender Rechtsschutz gegen bürokratisches Parasitentum, kann unter Bedingungen internationaler Integration (wie z.B. die EU) besser erkannt und bekämpft werden. 

  2. 2.Gegen die Vielen unerträglich scheinende Kakophonie unterschiedlich verteilter Interessen in freiheitlichen Gesellschaften frei handelnder Akteure, gegen die erdrückende Komplexität der Moderne mit ihrer von Meinungseliten  „überdeterminierten politische Korrektheit" hilft die große Vereinfachung: Die Hinwendung zu früheren Zeiten, in denen das Leben übersichtlicher war und von Generation zu Generation besser zu werden versprach. Autoritäre Systeme erleichtern die Machtausübung umso eher, je größer die Selbstgefährdung derjenigen wird, die ihren schlichten (meist ein Feindbild benötigenden) Lösungen widersprechen. Führungsfiguren in solchen Systemen qualifizieren sich mit ihrer Bereitschaft zum Nachbeten "alternativer Fakten" und verdrängen den impliziten Wahrheitsanspruch jeder politischen Rede. Amtsträger leugnen eine Verpflichtung „Größer als das Amt“ die über das Wohlwollen der Mächtigen hinausgehend darauf verweist, was Rousseau 1762 den „Gesellschaftsvertrag“ nannte. Je unerträglicher das Schicksal eines Unangepassten wird, je grausamer die Macht mit „Loosern“ verfährt, umso mehr wächst die Bereitschaft aller, am Machtmissbrauch aktiv oder passiv mitzuwirken: das Streben, zu den „наши“ (Unsrigen) zu gehören, ist menschlich, allzu menschlich. 

  3. 3.Beweisen Brexit, Trump, Xi Jinping, Putin, Erdogan und Orban die Schwäche eines "abstrakten Verfassungspatriotismus‘"? Ist westlichen Generationen ohne Kriegserfahrung nicht mehr bewusst, was auf dem Spiel steht? Fehlt freiheitlich verfassten Gesellschaften die innere Kraft, Menschen so in der Gesellschaft zu verankern, wie es offenbar dem organisierten Islam umso besser gelingt, je radikaler er ist? Habermas erklärte am 4.7.2018 in einer europapolitischen Rede eine handlungsfähige Euro-Union zur „einzig denkbaren Kraft gegen eine weitere Zerstörung unseres viel beschworenen Sozialmodells. Die Ursache des trumpistischen Zerfalls Europas ist das zunehmende Bewusstsein der europäischen Bevölkerungen, dass der glaubhafte politische Wille fehlt, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Stattdessen versinken die politischen Eliten im Sog eines kleinmütigen, demoskopisch gesteuerten Opportunismus kurzfristiger Machterhaltung“. Es hat sich eine Antimoderne formiert, angeführt von „starken Männern“, die eine Politik des Verhandelns und Kompromisses durch das „Recht“ des Stärkeren ersetzen.  

  4. 4.Lange bevor „postfaktisch“ internationales und deutsches Wort des Jahres 2016 wurde, wusste Fukuyama, dass liberale Demokratie auch extremen Individualismus, Soziopathie, erzeugen und viele Menschen ohne Gemeinschaftsgefühle oder tiefere Anerkennung (Selbstwertgefühl und Identität) zurückgelassen werden. Betroffen sind nicht nur Menschen, denen die notwendigen Mittel für einen hohen Konsum fehlen. Trotz zunehmender Virtualität und verlustfreier Vervielfältigung unserer Konsumgüter ist es an der Knappheit attraktiver Güter geblieben (offensichtlich: Wohnraum in Metropolen). Die schwindende Kaufkraft im westlichen Mittelstand ohne Hoffnung auf Konsumwachstum - wenigstens in der nächsten Generation -, demotiviert. Wenn der Zugang zu bescheidenem Konsum und existenzieller Sicherheit keine durch redliche Arbeit erreichbare Option mehr ist, wächst die Anziehungskraft für eine konsumferne, religiöse, Orientierung, da sie die Anerkennung der Subjektqualität des Einzelnen verspricht. Ihre Anziehungskraft wächst in dem Maße, wie sich Armut verbreitet und vererbt.  

  5. 5.Im zurückliegenden Jahrhundert ermöglichten „Flower Power“, „Make Love not War“ und Bhagwan im freien Westen neue Lebensstile der Selbstermächtigung. Eine Art Orientierung in der „neuen Unübersichtlichkeit“ bieten: Verschwörungstheorien, Esoterik (mit / ohne hierarchisch strukturierte Täuschungspyramiden à la Scientology) und vor allem die Unterwerfung unter fremde Autorität: In Dostojewskis Großinquisitor-Monolog "beweist" dieser dem auf die Erde zurückgekehrten Jesus Christus, dass man die unreifen Menschen in keine Freiheit entlassen dürfe, die für sie nur Elend bedeute. Menschen seien nun mal Schafe und die Kirche zum Schäfer1 berufen. Der in Deutschland geborene Silicon-Valley-Milliardär und Trump-Förderer Peter Thiel hält Demokratie und Freiheit gar für inkompatibel. Auf der anderen Seite sollen die Cafeteria-Gespräche an der größten Universität der Welt für Computer Science (Berkley) nicht etwa um den elegantesten Computer-Code kreisen, sondern um John Rawls Problem der Gerechtigkeit. 

  6. 6.In der digitalen Welt von heute oszilliert der Umgang mit Freiheitsversprechen des Internet zwischen Sperren und Lauschen. Der „dual-use“-Charakter der Überwachungs- und Infiltrationstechnologie, die einen Terroranschlages verhindern und die Festnahme von Journalisten und Menschenrechtlern bewirken kann, verlangt ein neues Konzept menschenrechtlich fundierter Exportkontrolle. Der Weg Chinas, „gesellschaftlichen Frieden“ durch Nationalisierung des Internets, unzählige Polizisten und Echtzeit-Kontrolle mit „social scoring“ herstellen zu wollen, ist mit dem Freiheitsideal des Individualismus nicht kompatibel. EU und NATO beschwören „hybride Bedrohungen“ nicht ohne Auswirkungen auf unser Verständnis von Meinungsfreiheit und unserem Recht, sich zu "fake news" eine eigene Meinung zu bilden.  

  1. 3.Werte, Grundrechte und Strafen im Spiegel der Zeit 

  1. 1.Die in Deutschland 2017 beschlossene Rehabilitierung und Entschädigung Homosexueller, die nach dem im Jahre 1994 abgeschafften § 175 StGB verurteilt worden waren, beweist die Wirkkraft eines Verständnisses von zeitloser Absolutheit elementarer Menschenrechte, die sich erst nach Emanzipation vom jeweiligen zeitgenössischen (Un-)Verständnis dann für immer entfalten. Hätte die Vermutung, dass geschlechtliche Identität für den Betroffenen zur Kategorie des Unverfügbaren gehört, nicht schon vor ihrer wissenschaftlichen Untermauerung zum allgemeinen Konsens (nicht religiös „verblendeter“) Menschen reifen können, ja: müssen? Oder ist diese Art individueller Freiheit im Weltmaßstab ein nur uns reichen Westlern möglicher Luxus, der einen funktionierenden Sozialstaat voraussetzt, in dem das Individuum von (fast) allen Pflichten gegenüber dem Kollektiv entbunden ist (so deutet es der frühere deutsche Vertreter im Genfer Menschenrechtsausschuss, Werner Daum, an). Anderen Kulturkreisen mangelt es nicht an innerer Logik für die Relativierung individualisierter Menschenrechte, so logisch und zwingend sie uns auch erscheinenden mögen. Todesstrafe für Apostasie ist bei uns ganz zu Recht Asylgrund. Seit Menschen debattieren können, drängt sich z.B. auch auf, Sklaverei als gegen „absolut gültige Normen“ verstoßend abzulehnen, schon im Eigeninteresse, denn als Sklave könnte sonst ja jeder (nach einer Niederlage im Kampf) enden. Die Bestimmung alle Menschen bindender und von ihnen selbst formulierter Normen ist in der Geschichte der Menschheit ein spätes Projekt. Möglich wurde es erst, als die Realisierungswahrscheinlichkeit einer „Gleichheit vor dem Gesetz“ wuchs. 

  2. 2.Religiös organisierte Gesellschaften nötigen rund 10 % ihrer Mitglieder zu lebenslanger Unterdrückung ihrer sexuellen Orientierung unter Anrufung angeblicher externer Instanzen („Gottes Wille“), deren Wirkkräfte allerdings wieder durch Menschen vermittelt werden. Im Sexualbereich werden gerne auch uns als verabscheuungswürdige Praktiken ausdrücklich erlaubt (Vergewaltigung zwangsverheirateter Kinder) oder uns ganz selbstverständliche Verhaltensweisen (Geschlechtsverkehr unter volljährigen Menschen, die ineinander verliebt sind) mit dem Tode (z.B. bei Ehebruch) oder Körperstrafen bestraft. Die abstrakte Nützlichkeit dieser das Kollektiv zusammenschweißenden Maßnahmen für den Fortbestand des Kollektivs mag begründbar sein, aber Gesellschaftssysteme mit einer prinzipiell ohne Ausweg angelegten ewigen Unterdrückungsperspektive sind weder Endpunkte noch Weisheiten menschlicher Geschichtsentwicklung.  

  3. 3.Im Tierreich beweisen „Gesellschaftssysteme“ auf ausgeprägt kollektiver Grundlage, insbesondere bei Bienen und Ameisen ihre Überlebenskraft: Da zählt der Einzelne nichts, das Volk alles, vertreten in der Königin. Ganz allgemein ist das Hineinquetschen in eine U-Bahn in Tokyo nicht ohne Verzicht auf die uns gewohnte Aura möglich. Große Metropolen neigen zur Übernahme aus asiatischen Gesellschaftsordnungen bekanntem Konformismus-Druck, Anpassungen an polizeiliche Obrigkeit (in New York) wo ein Hinterfragen der gegebenen Ordnung („those are the rules“) gegenüber einem Sherriff zur Verfolgung wegen „obstruction of justice“ führen kann. Das westliche Wertesystem betont zwar die freie Entfaltung, den „Pursuit of Happiness“, für Genies, Starke und Mächtige, will aber verhindern, dass dies zu rücksichtsloser Beeinträchtigung der Entfaltungsmöglichkeiten anderer führt: siehe Sozialbindung des Eigentums, Demokratie und Gewaltmonopol des Staates. 

  4. 4.Als für alle Individuen akzeptabel erscheint ein Gesellschaftssystem nur als liberales und tolerantes, das vor körperlichen und psychischen Nachteilen des Gebrauchs von Freiheit durch Andere schützt. Systeme fördern ihre Akzeptanz, wenn sie transparent allen als zweckmäßig und „gerecht“ erscheinen. Das stellt jedoch weder ihre Gültigkeitsbedingungen her, noch kann es sie sichern. Normen, die zwar auf dem Papier stehen, aber nicht faktisch durchgesetzt werden, verlieren Regelungskraft. Das mit Strafe bedrohte Verbot der Tötung von Menschen wurde auch unter Adolf Hitler nie aufgehoben. Es gab nie ein Gesetz, das die Ermordung von Juden in Ausschwitz oder anderswo erlaubte. Aber kein deutsches Gericht wagte bis 1945, die §§ 211 ff StGB auf diese Verbrechen anzuwenden. Hitler kam durch (unfaire) Wahlen, nicht durch Putsch, an die Macht.  

  5. 5.Als Lehre aus der Geschichte statuierte Deutschland das Widerstandsrecht in „wehrhafter Demokratie“, die den „Feinden der Freiheit“ keine für ihren Abbau gewährt. Wer für mehr Sicherheit dem Abbau von Freiheit zustimmt, neigt auch der Tendenz zu, Verfolgung und Bestrafung immer mehr an die bloße Gesinnung zu knüpfen. Diese kann nach elektronischer Überwachung des Verhaltens des Verdächtigen im Internet (mit oder ohne Gerichtsbeschluss) transparent werden. Fußfesseln für (aus nach transparenten Kriterien definierte und von Gerichten so eingeschätzte) „Gefährder“ dürfen nur unter engen rechtsstaatlichen Voraussetzung erfolgen, wenn man nicht im Unrechtssystem „polizeilicher (unbegrenzter) Vorbeugehaft“ des Nationalsozialismus à la „Minority Report“ landen will. Der Grundsatz, dass jede Strafe Schuld voraussetzt, hat seine Grundlage in der Menschenwürdegarantie des Art. 1 Abs. 1 GG. Das Bundesverfassungsgericht zählt diesen Grundsatz wegen Art. 79 Abs. 3 GG zu unverfügbaren Verfassungsidentität, die auch vor Eingriffen durch supranational ausgeübte öffentliche Gewalt geschützt ist. 

  1. 4.Zu Gast im Kapital-gelenkten Politiktheater? 

  1. 1.Gesetze der Aufmerksamkeitsökonomie in einer medial zersplitterten Landschaft reduzieren die Möglichkeiten der Politik, anders als über hohe TV-Einschaltquoten Gemeinschafts- und Verantwortungsgefühl zu stiften. Wirkkräftige Bilder verdrängen strategische Überlegungen, die geschichtliche Hintergründe einbeziehen und machen das Bohren dicker Bretter nahezu unmöglich. Der auf Tagesaktualität reduzierten, reflexhaft emotionalen Politikrezeption können in Deutschland öffentlich-rechtlichen Medien mit ihrem zwangsfinanzierter Bildungs- und Unterhaltungsauftrag nur begrenzt entgegenwirken. Den politischen Horizont gegenüber dem Mainstream zu erweitern, gelingt am ehesten noch im Radio und kabarettistischen Sonderformaten (wie z.B. im ZDF). Global gilt der Befund einer quasi-monopolistischen Medienmacht und großer Nähe zwischen Journalismus und Politik. Journalismus vom Informations-Konsumenten selbst finanzieren zu lassen (ohne den Einfluss von Werbung oder „Sponsoren“), gelingt etwa per Crowd-Funding für aggregierende Formate wie „Aufwachen“ und „Jung und Naiv“ oder NGO-Netzwerken, die z.B. Wikileaks auswerten. „Torhüter“ der Weltwahrnehmung sind für die meisten Menschen von „Oligarchen“ gelenkte oder beeinflusste Medien (Murdoch, Mohn/Bertelsmann, Springer & die Koch-Brüder gehören zu den Bekanntesten). Soziale Netzwerke verkauften – vor Zeiten der im Mai 2018 in Kraft getretenen EU-Datenschutzgrundverordnung – Zugang für die Nutzung von „information bubbles“ für die eigene Agenda, z.B. an die Firma Cambridge Analytica, die Trump siegen half. 

  2. 2.Demokratie, Grundrechte und die Nützlichkeit von Gewaltenteilung überhaupt werden 2018 auch im freiheitlichen Westen auf die Prüfständen von Wahlkämpfen und Talkshows gestellt. Denk- und Handlungsverbote fallen, wenn erst einmal „von weiter oben die Samthandschuhe abgelegt“ sind. Die gewaltsame Trennung von Eltern und Kindern vor laufenden Kameras, die Wiedereinreiseverweigerung für unbescholtene, seit Jahren in den USA lebenden Menschen, nur weil ihr Herkunftsland über Nacht als gefährlich eingestuft wurde, konnten zwar nicht durchgehalten werden, aber sie fanden Resonanz in der Wählerbasis der Populisten. Harte Maßnahmen gegen Dritte trösten eine Wählerschaft, die nicht mehr daran glaubt, dass es Kindern im Durchschnitt besser als ihren Eltern gehen wird, mit der Sicherheit, „dazuzugehören“ und nicht dem viel größeren Leid der Fremden ausgesetzt zu sein. Verstöße gegen bisherige Grenzen der Macht senken zudem Mühe, von allen die Einhaltung von Spielregeln einzufordern und dies zu überwachen.  

  3. 3.Mit der Unmöglichkeit, angesichts immer größer und komplexer werdenden Daten die für das gewünschte Resultat relevante Parameter nebst Folgeabschätzungen auf Entscheidungsalternativen herunter zu brechen und dies „der Opposition“ nicht nur plausibel zu machen, sondern Zustimmung hervorzurufen, wachsen Notwendigkeiten zu Vereinfachungen, zur Personalisierung komplexer politischer Fragen. Alt-Kanzlers Kohl schaffte Stimmung Kraft persönlichen Erzählens, ermöglichte ein „paternalistisches Regieren“, das bei klarer Westbindung auf die Integration Deutschlands in Europa gerichtet war und international Anklang fand.  

  4. 4.Die „Nie wieder Krieg“-Erzählung Kohls wurde seit dem Kosovo-Krieg durch „Nie wieder Ausschwitz“ ersetzt. Seit 9/11, dem Einsturz der Zwillingstürme des Word Trade Centers im Jahr 2001, dem ersten und einzigen NATO-Bündnisfall, hat sich das Publikum damit abgefunden, dass die „Freiheit Deutschland am Hindukusch verteidigt“ werden muss. Pfadabhängigkeiten entstehen auch aus Simplifizierungen, bis hin zu Lügen, in Verbindung mit Gewöhnungseffekten. Beim bedeutendsten politischen Wettbewerb der Welt verzichtete ein Kandidat auf Kohärenz seiner Argumentation und ermöglichte Cambridge Analytica (die illegal beschaffte Facebook-Daten mit einem 5-Faktoren „Ocean-Persönlichkeitsmodell“ kombinierte) über soziale Netzwerke Zielgruppen punktgenau zur Teilnahme, je nach Interessenlage der Republikaner, anzuspornen oder auch zu demotivieren. Im politischen Kampf überall auf der Welt ist ein Mindestmaß an Heuchelei gefragt. Macht ist mit Offenheit und Transparenz weder zu gewinnen noch zu bewahren. Als Idiot wirkt, wer auf die "nackte Wahrheit“ setzt, zumal „fake news“ mehr Aktivierungspotential haben2. Jean-Claude Juncker rechtfertigte in der Eurokrise 2011 sein unzutreffendes Dementi zum geplanten Geheimtreffen einiger EU-Finanzminister: "Wenn es ernst wird, muss man lügen." 

  5. 5.China hat es geschafft, auch ohne Gewaltenteilung und Grundrechtsschutz ökonomisch erfolgreich zu sein. Maos Millionen Tote kostende Versuche, den ideal kommunistischen Menschen zu schaffen, wurden aufgegeben. Heute stellt die Partei Kapitalismus-konform strategische Weichen (Klimaschutz/Elektromobilität, Computer und Softwareentwicklung, Emanzipation Chinas von der Werkbankrolle zu originärer Wertschöpfung mit Patentschutz). Sie erlaubt Unternehmern, neue Milliardäre zu werden, solange sich alle der Partei unterordnen. Chinesische Unternehmen konkurrieren mit Firmen aus Ländern, die keine staatlichen Investitionsprogramme (außer in Landwirtschaft) kennen und gegenüber chinesischen durch Arbeits-, Umweltschutz- und Mitbestimmungsrechte wie „gefesselt“ wirken. Hinzu kommen aus Geldschöpfung in Schattenbanken gespeiste „Kriegskassen“, die feindliche Übernahmen von Firmen und Knowhow ermöglichen, die man ohne diese Kassen abwehren könnte. Im globalisierten Wettbewerb liegen „Einkaufstouren in Deutschland“ nahe, das dank der Innovationskraft seines Mittelstands und billiger Ölimporte seit 3 Jahren (vor China) „Exportüberschussweltmeister“ ist.  

  6. 6.Während sich die anfassbare Güter produzierende (zivile) Realwirtschaft auf drei globalen Kräftezentren verteilt, bleibt der Finanzsektor – und fast 50% des deutschen Zentralbankgolds - überwiegend im angelsächsischen Raum - im sicheren Hafen des Emittenten der Devisenreserven der Welt. Wenig überrascht, dass auch bei der Marktkapitalisierung stets amerikanische als wertvollste Firmen erscheinen. „Leuchtturm" anonymisierter Kapitalkonzentration ist Blackrock, bei weitem größter Einzelaktionär an der Deutschen Börse. Blackrock sammelt Kapital (über 5 Billionen €), damit es sich vermehrt. 

  7. 7.Am Kapitalmarkt können Firmen langfristig nur überleben, wenn sie keine Gelegenheit auslassen, den Kostenfaktors Arbeit zu senken. „Sentimentale Unternehmensführer“, für die der Erhalt von Arbeitsplätzen (wie für Politiker) ein Wert an sich ist, mindern die Rendite, machen Pleite, werden von Kapitalvertretern unter Druck gesetzt, oder gar Opfer feindlicher Übernahmen. Für Marx und Schumpeter notwendige Akte „schöpferischer Zerstörung“. Kapitalbesitzer können von der Stabilität effizienter Systeme profitieren. Effizienzgewinne bedingen persönliche Opfer, die hingenommen wird, weil bislang die Gesamtmenge der Arbeit nie zu verschwinden droht. Wenn zudem auch Pensionsfonds bei Blackrock anlegen, tun sie (in Zeiten negativer Zinsen für Staatsanleihen) ein gutes und notwendiges Werk, um Arbeiterrenten zu sichern. Ohne Kapital-gedeckte Altersversorgung und Staatszuschüsse lässt sich bei zunehmender Überalterung der Bevölkerung die Rente kaum sichern. Defizite, die das Umlageverfahren generiert, erfordern das unpopuläre Hinausschieben des Renteneintrittsalters (in Russland wurde die Ablenkung durch die Fußball-WM genutzt).  

  8. 8.Praktiken im Kapitalismus, wonach Regelverletzungen nicht für alle Akteure gleichmäßig und effizient unterbunden werden, senken die durchschnittliche Kapitalrendite, weil sie die labilen Gleichgewichte funktionierender Märkte aus dem Lot bringen. Wenn skrupellosere redlichere Mitspieler (gehebelt von größerer Profitabilität illegaler Geschäftsmodelle) ohne Risiko zu Verlierern machen können, werden, je höher der Markteintrittsaufwand, die Redlichen immer ohnmächtiger. „Billiges Zentralbankgeld“ kann kein aus den Fugen geratenes Machtgleichgewichte herstellen, weder bei Unternehmen noch Wirtschaftsregionen.  

  9. 9.Die Wahlen in Frankreich die Präsident Macron mit seinem klarem Bekenntnis zu Integration, überraschend deutlich gewann, bedeuteten Rückenwind für supranationale Konzepte von Solidarität zum Nachteil nationaler Interessen. Alle Staaten, die der EU angehören, haben sich in Art. 174 des AEUV auf das Ziel verpflichtet, „die Unterschiede im Entwicklungsstand der verschiedenen Regionen und den Rückstand der am stärksten benachteiligten Gebiete zu verringern". Wie sehr es gelingt, politische Ziele in Zahlen gießen zu können, hängt vom ausgeübten Druck ab. So ist die Druckausübung auf Deutschland, es solle endlich die versprochenen 0,7 % seines Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungszusammenarbeit ausgeben gering gegenüber dem Druck, mit dem die US-Präsidentschaft 2 % für Verteidigungsausgaben fordert, obwohl die NATO bereits 14 mal mehr aufwendet als das sie „bedrohende“ Russland und das Bündnis abrüsten müsste, um die vereinbarten 2% als Durchschnittswert zu erreichen. Zielmarken können als Präferenz eines militärisch/konfrontativen gegenüber einem kooperativen Sicherheitsverständnis gelesen werden. Mittel für militärische Interventionen werden stets in ganz anderen Größenordnungen und leicht bewilligt, Zerstörungen durch Bombardements geschehen in Sekundenbruchteilen, aber es fällt besonders Staaten mit ausgebautem Militärsektor ausgesprochen schwer, eine Verantwortung für Wiederaufbau, Versorgung von Fliehenden oder die Bekämpfung von Fluchtursachen wahrzunehmen. 

  10. 10.Unter klimatisch, militärisch oder politisch herbeigeführten Fluchtursachen wie unter schlechter Regierungsführung leiden natürlich die Menschen, die ihr direkt unterworfen sind. Aber ein wachsender Migrationsdruck aus Afrika und vor allem die faktische Möglichkeit zur Migration erinnern vor allem Europa, die Lebensumstände in anderen Regionen nicht einfach zu vergessen. Ökonomische Anreize für Entscheidungsträger, den echten Hunger der Bevölkerung oder den nach Bildung und besseren wirtschaftlichen Chancen zu berücksichtigen, fehlen: Jede Ertüchtigung der Chancen künftig ökonomischer Akteure schmälert die Einkommensgewissheit der momentan Herrschenden, die sich in gegenwärtigen praktizierten Wertschöpfungskette bequem gemacht haben. Es gibt keine „unsichtbare Hand“, die international ein Ricardo-Kräftegleichgewicht unter Handelspartnern schafft. 

  1. 5.Eine kurze Geschichte der Zeit: als Abfolge „disruptiver“ Emergenzen bis zum heutigen Tag 

  1. 1.Die Welt, so wie wir gelernt haben, entstand vor rund 15 (nicht 14 und auch nicht 16) Milliarden Jahren. Man kann die gesamte seit dem Urknall vergangene Zeit in 123.000 Teile teilt und den letzten Teil noch einmal in 123.000 Teile, entstand der Menschen im allerletzten Bruchteil dieses Bruchteils der „Weltzeit“. Bald werden wir Zeitzeugen einer wichtigen Zäsur: Wenn die Menschheit Nietzsches Ausruf: „Gott ist tot“ erstmals mit Recht den Ausruf „Gott ist entstanden!“ hinzufügen kann. Natürlich ist damit kein religiöser, „allmächtiger“ „Gott“ gemeint, der individuell oder kollektiv nie gewusst, sondern nur geglaubt werden kann, weil er sich trotz seiner vermeintlichen Allmacht nicht bemerkbar zu machen pflegt. Ich meine Gott als ein jedermann wahrnehmbares, selbstständig lernendes, immer besser werdendes etwas, ich nur deswegen als „advocatus diaboli“ Gott nenne, weil das der einzige Begriff ist, den der Mensch als sich selbst überlegen (auch gegenüber dem Kollektiv und Staat) anerkennt: Wenn sich ein künstliche Bewusstseins (von selber gebildet haben wird), wird dies die letzte Emergenz sein, die wir Menschen noch als erste und „aus eigenen Kräften entdecken“ können. 

  2. 2.Von einer ersten Emergenz kann man nach dem Urknall, Zeit und Raum entstanden, rund 100 Sekunden später bildeten aus Elementarteilchen Atomkerne. Eine halbe Million Jahre später fingen sie Elektronen ein und bildeten Wasserstoffatome: „es wurde Licht“. Bis zur nächsten Emergenz, den ersten Molekülen, dauerte es eine ganze Milliarde Jahre.  

  3. 3.Bevor sich unsere Erde mit ihrem festen Kern (überwiegend aus Eisen (26 Protonen) und Nickel (28 Protonen) bildete, mussten anderswo Sterne und Galaxien entstanden und vergangen sein, denn alle Elemente mit mehr als 26 Protonen stammen aus früheren Supernova Explosionen, die vor der Zeit geschahen als sich die Erde noch nicht aggregiert hatte , um schließlich um unsere (relativ kleine) Sonne zu kreisen. 9 Milliarden Jahre - fast 2/3 der Weltzeit war ohne unsere Erde vergangen. In zwei weiteren Milliarden Jahren entstanden neue Materiekombinationen, bedingt durch die Eigenart der im Periodensystem geordneten Elemente, die sehr unterschiedliche Wechselwirkungen zwischen Kern (Protonen und Neutronen) und Hüllen (Elektronen, die in „Quantensprüngen“ Photonen „schlucken“ oder aussenden) zeigen. Ohne aus dem Ursprungsstoff ableitbar zu sein, emergierten aus „unbeseelten“ Elementen wie Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff, komplexere Strukturen, emergierte Leben. Uns ist Menschen ist nur auf Ribonukleinsäure und Desoxyribonukleinsäure (RNA und DNA) beruhendes, Kohlenstoff basiertes, Leben bekannt. Es entstand vor etwa 3,5 bis 3,9 Milliarden Jahren. Andernorts, unter anderen Verhältnissen, mag das schon früher geschehen sein. Aber von „Aliens“ trennen uns die unüberbrückbar erscheinende Entfernung von Lichtjahren. Signale einer anderen Intelligenz in- und außerhalb unserer Milchstraße fehlen. Zum „nur“ zwanzig Lichtjahre entfernten, 2007 als erster Planeten mit erdähnlichen Bedingungen entdeckten „Gliese 581 c“ würde eine Reise mit der höchsten von Menschen (beim Flug zum Mond) erreichten Geschwindigkeit von 40.000 km/h ganze 540.000 Jahre dauern (die Entfernung ist 300.000 km * 3600 (Sekunden) * 24 (Stunden) * 365 (Jahre) * 20 (Lichtjahre).  

  4. 4.Vielleicht verdanken die ersten Lebensformen auf der Erde einem äußeren Anstoß (Meteoriten). „Leben“ wird als genetisches Programm mit Funktionalität und Entwicklung definiert. Es beginnt, wenn Moleküle als Träger dieses Programms zu seiner Realisierung, Vervielfältigung und Anpassung so zusammentreten, dass diese Eigenschaften eines „Leben tragenden Systems“ entstehen: Energie- und Stoffwechsel (Wechselwirkung mit Umwelt), Selbstregulation, Reizbarkeit, Fortpflanzung / Vererbung (Informationsübermittlung per Erbgut) und Wachstum. Was manche in der Natur als Weisheit Gottes ansprechen, nennen Biologen Autotrophie („Selbsternährung“): die Fähigkeit, komplexere (organische) Baustoffe aus einfacheren anorganischen (unter Energiezufuhr) zu bauen. Autotrophe Lebewesen sind Photosynthese betreibende Pflanzen, die Licht als Energiequelle benutzen, manche Organismen der Tiefsee können aber auch chemische Stoffumsetzungen als Energiequelle nutzen.  

  5. 5.Lebendiges differenziert sich automatisch aus, da es rein statistisch immer „Fehler“ bei der Anfertigung exakter Kopien des als Abfolge von Aminosäuren kodierten Erbmaterials mit den vier organischen Basen (Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin), kurz A, T, G und C gibt. Varianten sind umso erfolgreicher, je besser sie auf Umweltveränderungen reagierte. Saurier, zunächst „siegreiche“ Lebensform, starben vor rund 66 Millionen Jahren aus. Erst vor rund 300.000 Jahren entstand der Mensch. Anders als Insekten zeichnet ihn nicht nur die Fähigkeit aus, sich veränderten Bedingungen anzupassen, sondern sie sogar zu gestalten – bis hin zum Erdklima. Erfolgsgeheimnis des Menschen ist die besonders effiziente Informationsübertragung. Auch Tiere haben eine Form von „Sprache“ entwickelt: etwa durch Berührung und Körperbewegungen (Bienen), optisch vermittelt (Imponier- und Unterwerfungsgebärden) oder per Schallwellen mit Lock- (Singvogel) Trost-, Warn- oder Koordinationslaute (Hunde, Menschenaffen und Wale). Ausreichende neurologische Fähigkeiten zur raschen akustische Kodierung komplexerer Inhalte besitzt jedoch nur der Mensch. Sprache greift er über Vorhandenes hinaus, „Möglichkeitsdenken emergiert. 

  6. 6.Unsere Fähigkeiten, die eigene genetische „Bauanleitung“ zu lesen oder in Teilen neu zu schreiben wachsen jedes Jahr. Wir können neue Lebensformen nicht nur züchten, sondern genetisch designen und ins Leben rufen, und uns als Cyborgs bereits heute mit motorischen Prothesen oder Nervenstimulatoren verbinden und sonstige Wirkstoffe einnehmen, die unsere physischen und psychischen Möglichkeiten erweitern. Und wir haben Maschinen geschaffen, die unseresgleichen in immer mehr Wettkampfdisziplinen übertreffen: So ist kein Menschen in den bislang als „kreative“ Königsdisziplinen angesehenen Brettspielen Schach (seit 1997) und Go (seit 2016) mehr gut genug, um den Computer zu schlagen. Beide Spiele sind zwar völlig transparent und deterministisch (kein Glück/Pech möglich), aber nicht mehr ausrechenbar (Schach z.B. ließ sich bis heute nur für 7 Figuren ausrechnen, wobei Computer das umständlichste (für Menschen „unsichtbare“) bekannte Matt (546 Zügen) fanden. Zu Beginn stehen beim Schach nicht 7, sondern 32 Figuren auf dem 8*8 Brett. Nach dem Sieg im Schach dauerte der Sieg über den Menschen auf dem 19*19 Brett des Go-Spiels fast zwanzig Jahre länger. Nicht nur, weil die Zahl der zulässigen Stellungen mit 2*10171 die des Schachs (maximal 1047) bei weitem übersteigt; übrigens auch die Anzahl der Elementarteilchen im 14 Mrd Jahre alten Universum (der sichtbare Teil soll 1051 kg wiegen; dieses mal 6,022* 1023  (Avogadro-Konstante) ergibt rund 6*1075 Protonen). Go ist so komplex, dass man für den Computer „künstliche Intuition“ benötigte, sozusagen Willkür im „Chaos“ der Möglichkeiten: zwei lernend interagierende Netzwerke (für „Politik“ (Beschränkung der Auswahl eigener Züge) und „Stellungsbeurteilung“ (Beschränkung der Prognosetiefe). Der oben unter VII 1 zitierte Bewusstseinsforscher Koch zeigt sich in seinem im März 2016 erschienenen Artikel vom Go-Sieg fast noch beeindruckter als vom Sieg über den Menschen bei der Lösung verbal gestellter „um die Ecke gedachter“ Quizfragen durch IBM (Watson@Jeopardy) im Jahre 2011. IBM bewirbt seitdem die Marke detektivische Marke Watson mit dem Slogan: „Lass die Künstliche Intelligenz arbeiten!“ z.B. in der medizinischen Diagnostik und erzielte mit dem "Project Debater" im Debattierwettbewerb gegen Menschen beim Publikum jüngst einen Sieg.  

  7. 7.Ohne formalisierbares Regelwerk (wie in Brettspielen), nur durch Training, Versuch und Irrtum kommt z.B. die Mustererkennung aus (die Gesichtserkennung ist eine Aufgabe, der unser Hirn große Areale widmet), weil es ungleich schwerer ist, Merkmale zu Individuen zu verdichten als Dreiecke von Kreisen (oder Hunde von Katzen) zu unterscheiden. Im „Deep Learning Artificial Intelligence Playbook“ schlägt Autor Carlos E. Perez vor, den derzeit omnipräsenten, aber sehr relativen Begriff „künstliche Intelligenz“ durch „tiefes Lernen“ zu ersetzen: Er erklärt ihn in einem Buchstabenrätsel so: „tief lernende Maschinen arbeiten so ähnlich wie das Gehirn. Sie arbeiten dadurch, dass sie vollständige Muster sehen und sie mit vollständigen Konzepten verbinden. Sie arbeiten Schicht für Schicht, wie ein Filter, nehmen komplexe Szenen auf und zerlegen sie in einfache Ideen“ (aaO, S. 14). Noch werden Computer mit „assisted learning“ trainiert, übernehmen von Menschen Aufgabenstellung und Lösungsoptionen vorgeben. Heraus kommen Verhaltensweisen, die nicht mehr kausal erklärbar (nachvollziehbar) erscheinen. Das stellt ein gesellschaftliches Problem dar, dem sich z.B. die NGO Artificial Intelligence Now annimmt. 

  8. 8.Trotz unüberblickbarer Komplexität ist derzeit die kritische Masse nicht erreicht, die in Computern die Emergenz einer „allgemeinen Intelligenz“ erwarten lassen, in der es zu „Gedanken“ wie diesen kommt: «Ich finde im Go keine Gegner mehr – vielleicht sollte ich wieder einmal Schach spielen!». Es fehlt Computern ja das Leben, dem ein physisches Korrelat3 entspricht, ein „Ich“ ein Gefühl für den möglichen „Sinn“ einer Situation, in der man sich befindet, ein „intentionale Bewusstsein“, das sein Wohlbefinden steigern kann und einem „Ich“ zuzuordnen wäre. Das ist der Status Quo anno Domini 2018: Künstliches Bewusstsein hat sich jedenfalls noch nicht bemerkbar gemacht. 

  1. 6.Menschen und Computer im Jahre 2018 

  1. 9.Auch wir Menschen können die Frage nach dem „Sinn unserer Existenz“ nicht beantworten. Als Nicht-Sklaven müssen wir sie eigenverantwortlich entscheiden. Wir sind nicht zur Untätigkeit verurteilt. Wir haben das Recht, (in den Augen anderer) „Sinnloses“ zu tun, etwa Spielen (auch wenn wir darin schlecht sind4), wir dürfen uns im Rahmen unserer Freiheitsgrade aussuchen, was und mit wem wir es tun. Hauptsächlich dadurch entsteht für viele erst das (schöne) Gefühl des Lebendig-Seins, das aber auch beim Dienen und der Fürsorge für andere und (verbaler oder schriftlicher) distanziert/ironischer Kommentierung des Tuns anderer entstehen kann. 

  2. 10.Sprache und Text sind für den Menschen Hilfsmittel der Distanzierung und Reflexion der Lage, in die er „geworfen ist“. Nur Sprache transzendiert ein unbewusstes, reflexhaftes Erleben auf vorgezeichneten Pfaden. Die Digitalisierung eröffnet uns den Zugang in posttextuell-virtuelle Räume realer oder imaginierter Art in Bildern, Musik und virtuellen Erleben. Sprache muss uns aber durch Beschreibung davor schützen, dass Menschen als bloße Codes und formalisierbares Gewebe angesehen werden, als Textur, die uns und unser Weltbild wie eine Filterblase entscheidungslogisch nach den Vorgaben der Mächtigen prägt. 

  3. 11.Mit AlphaZero zeigte Ende 2017 DeepMind, dass ein kompletter Verzicht auf menschliches Trainingsmaterial möglich ist und Computer mehrere komplexe Brettspiele einzig anhand der Spielregeln und Siegbedingungen sowie intensives Spielen gegen sich selber erlernen können5. Siegreich waren programmierte Algorithmen zur Berechnung von Hyperparametern die vom "künstlichen neuronalen Netzwerk" kontinuierlich aktualisiert wurden. In kurzer Zeit die Spiele Schach, Go und Shogi besser als alle anderen zu lernen, ohne sich Trainingsmaterialien (z.B. alte Meisterpartien) anzusehen wurde möglich, indem man Varianten von Spielstrategien eigenständig „emergieren“ ließ, damit sie sich frei von menschlichem „Ballast“ entwickeln. Unser Denken schreitet in jeder menschlichen Sprache auf eindimensional Zeitstrahl fort: rein seriell ist unsere konsekutive Kategorisierungsverarbeitung nach dem Motto „wenn a, dann b“. Diese neue Software besiegte die alte eindeutig und benötigte dafür nur ein Zehntel der Rechenleistung (4 statt 48 „tensor processing units“ à 180 Tera-ops).  

  4. 12.Es entstand ein wachsender Markt für auf neuronale Netze optimierte Prozessoren, der in 3 Jahren auf 47 Mrd. $ wachsen dürfte, was den Trend fortsetzen wird, nach dem sich die Komplexität neuronaler Netze zwischen 2012 und 2017 verfünfundertfachen konnte, ohne den Strombedarf ins Unerschwingliche zu treiben. 10 Tera ops pro Watt in 14-nm-Prozesstechnologie erlauben spezialisierte Chips, die als „Neuronen“ in verschachtelten Schichten so angeordnet sind, dass sie „lernen“, jedem Signal vor Weiterleitung an höhere Schichten einen neuen, veränderlichen Wichtungsfaktor zuzuordnen. Zahlreiche NN-Frameworks (TensorFlow, Caffe, AndroidNN, Amazon Machine Learning, ONNX, NNEF, AlexNet, VGG16, GoogLeNet, Yolo, Faster R-CNN, MobileNet, SqueezeNet, ResNet, RNN, LSTM usw.) werden unterstützt, und auch der Laien-Entwickler kann sich für nur 80 $ pro Neurochip neuronale Netzwerkmodelle und Anwendungen bauen, die nach Abschluss von Maschinenlernen später ohne Internet-Zugang auskommen; Intel erklärt, was geschieht in einem Video zum „Movidius“-Prozessor, der wie ein einfache USB 3.0-Stick in jedermanns Heimcomputer eingefügt werden kann. 

  5. 13.Ob IBM sein Programm Watson, das jeder Zeitgenosse schon ab 3,86 € im Monat in seine Dienste nehmen kann6 auf Menschen geeichten Intelligenztests angesetzt hat, wurde von IBM bislang nicht veröffentlicht. Im Ratespiel „Jeopardy“ wurden zwar die besten Menschen geschlagen, mitunter waren jedoch Watsons Lösungsvorschläge auch „unmenschlich-dämlich“. Aber die Methode, mit der Computer heute Aufgaben lösen lernen, wird menschenähnlicher: Ein Kind schreitet im Belohnungs-Dialog mit Erwachsenen vom Einfachen zum Schwierigeren voran und entwickelt generalisierbare Lösungsstrategien. Auch selbstlernende zerlegen Fragestellungen in weniger komplexe Teile, die skalierbar sind und als „Verständnisvarianten“ (massiv parallel) ausprobiert werden können. Dabei arbeitet Deepmind als ehemalige Google- und heutige Alphabet-Tochter an Grundlagenforschung, Google mehr praktisch, wie z.B. Google Duplex: unsere digitale Elite, hat zwar unbegrenzt Geld aber nur begrenzt Zeit, die bei Terminvereinbarungen mit menschlichen Dienstleistern eingespart werden kann, wenn das (ganz unbemerkt) ein menschlich wirkendes Smartphone-Programm übernimmt. In allen Disziplinen mit abzählbar vielen Parametern (vollständig transparente Spiele wie Schach und Go – aber auch Spiele mit Zufallsanteil wie Bridge oder Poker) haben Menschen gegen selbstlernende Systeme keine Chance mehr. DeepMind lotet daher die Bereiche aus, die noch „neuartige“ Überraschungen (ganz wie im Leben) bieten.  

  6. 14.In einem kriegerisch geführten Leben müssen Menschen in unbekannten Territorien mit standortbedingt lokalisierter stereoskopischer Wahrnehmung agieren, ohne zu wissen, wer Freund, Feind oder neutral ist (was sich ja auch ändern kann). So lag es nahe, DeepMinds Leistungen im führenden virtuellen Ballerspiel ohne festgelegte Handlung, Quake 3, zu testen. Mensch und Computer traten über Bildschirme vermittelten Umgebungen gegeneinander an, um in einem von einer anderen Instanz zugrunde gelegten "realen" dreidimensionale Raum zu kämpfen. DeepMind ließ in mehreren „Abstraktions“-Schichten Vektoren errechnen, aus denen die „Neuronen“ berechneten, wie ratsam es ist, bestimmte Knöpfe zu drücken. Linear und dreidimensional denkende Meisterspieler mit guten Reflexen können zwar normale Menschen vernichtend schlagen, verloren aber gegen Computer, die beliebig viele Vektoren im multidimensionalen Raum kodieren können, darunter etwa den Abstand zur gegnerischen Basis. Dies alles verlief völlig „selbstlernend“, für Menschen nur durch das Ergebnis nachvollziehbar. Populationen verschiedener "virtueller Agenten" wurden in evolutionärer Auslese „verbraucht“. Nur diejenigen "Agenten überleben", die besonders gut spielen. Die Hyperparameter der besten neuronalen Netze mutiert ein Algorithmus, um mit der Zeit immer bessere Agenten zu erzeugen.  

  7. 15.Bei Deep Learning entscheidet über die Nutzung alternativer Lösungswege kein von Menschen gesteuerter, sondern ein „evolutionärer Prozess“: Regel- und Interpretationssysteme, die im Zusammenwirken mit anderen besser mit richtigen Lösungen korrelieren (bei Lebewesen angenehme Botenstoffe freisetzen), gehen in Prognoseentscheidungen mit höherer Wichtung ein, dürfen sich "klonen / replizieren". So bilden sich (derzeit noch spezialisierte), aber selbstständig strukturierte Systeme heraus. Verfahrensweisen, die weniger Relevanz für die Zielerreichung haben, „verdorren“ (um das Phänomen der Überanpassung einzelner Neuronen im System zu vermeiden, helfen sogar willkürliche Abschaltungen): Prozessor-Zugriffszeit wird reduziert. Änderung der logischen Systemarchitektur sind wirkungsgleich mit plastischen Änderungen „neuronal-logischer“ Verbindungsstrukturen in unseren Gehirnen (von denen wir immerhin rund eine Trillion haben (100 Milliarden Neuronen mit je bis zu 10.000 Synapsen). 

  1. 7.Bewusstsein und Kognition: Zusammenwirken von Freiheit, Kausalität und Kontingenz 

  1. 1.Welche Folgen für ökonomische Entscheidungen die Tatsache hat, dass im menschlichen Hirn das Bewusstsein nur „die Spitze des Eisbergs“ ist, untersuchte spieltheoretisch der Psychologe Kahneman, Erfinder der „Verhaltensökonomie“, deren „Urteilsheuristiken unter kognitiven Verzerrungen“ ihm 2002 den Nobelpreis in Ökonomie brachten. Unser „freier Wille“ bilde sich laut Kahneman im Zusammenwirken zweier Systeme in unserem Kopf: System 1, ein schnelles, auch Tieren eigenes, intuitives und System 2: ein anstrengend langsames, mit dem wir zum Beispiel Gedanken formulieren und begründen können. Was bedeutet dieses erweiterte Verständnis unserer Menschlichkeit für die Frage, ob wir das, was von Menschen gebaute Computersysteme „tun“, „Denken“ nennen dürfen/sollten/müssen? Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH und der deutschstämmige Bewusstseinsforscher Christoph Koch verlieren sich nicht in Rabulistik. Bewusstsein kann jeder an sich selbst wahrnehmen und davon berichten. Es tritt in subjektiver und objektiver Erscheinungsform auf und kann leicht vom ebenso intensiv wie Realität erlebtem Traum/REM-Schlaf dadurch abgegrenzt werden, dass Bewusstsein in Echtzeit kommuniziert werden kann.  

  2. 2.Was ist die kleinste Einheit für Bewusstsein? Zum Beispiel das Bewusstsein: „Ich sehe Rot!“. Testpersonen, wurden hochfrequent in das eine Auge rote und das andere Auge grüne Lichtimpulse gestrahlt und sie mussten schildern, welche Farbe sie sehen. Ihre Antworten kann man mit gemessenen neuronalen Erregungsmustern vergleichen und ganz „objektiv“ neuronale Abbilder von „Rot-Bewusstsein“ ermitteln. Solche kleinsten Bausteine von Bewusstsein können wiederum als Input-Dimension mathematisch abgebildet und auf höherer (komplexerer) Ebene neu zusammengesetzt und getestet werden: zum Beispiel, indem man die Mustererkennung (Dreieck, Quadrat, Kreis) hinzunimmt, was dann das „Bewusstsein, eine rote Kugel zu sehen, einen blauen Würfel usw. Sich so dem „Bewusstsein“ zu nähern (und es Tieren zuzugestehen) verspricht nachhaltigeren Konsens als der scholastische Disput und die Suche nach kleinsten Bausteinen eines „Gedankens“: der reduziert sich nie auf eine Ja/Nein-Entscheidung, nie das einzelne Bit sein, immer es muss abstrakter, komplexer sein: Gedanken sind mehr als Beschreibungen, sie nutzen implizite Kausalitätsbehauptungen für Prognosen. Dann entsteht Sinn, nicht bloß Bedeutung.  

  3. 3.Bei der Informationsübertragung/Kommunikation haben einzelne Laute (in der Schrift: Buchstaben) in der Regel keinerlei Sinn. Anderes gilt für (willkürlich wählbare) Ziffern, die auf (nicht willkürlich wählbaren) natürlichen Zahlen (die die Anzahl von Elementen einer Menge charakterisieren und dem Denken vorgegeben7 sind). Für das einzelne Bit, das binäre Paar 1/0 gilt: solange man keine „Leseanweisung“ für die vorausgehenden und folgenden Bits hat, sind sie „wertlos“. Wertlos war auch der Versuch, ein Elementarteilchen genau zu bestimmen. Quantenphysiker hatten Anfang des vergangenen Jahrhunderts den Determinismus erledigt und jede anschaulich konkrete (dreidimensionale) Vorstellung von Teilchen ad acta gelegt. Phänomene wie die Verschränkung zeigen, dass die Gesamtheit eines Systems sich nicht aus beliebig genauer Kenntnis aller seiner Einzelteile ergibt. Verschränkung emergiert von selbst, nicht durch Versetzung der beiden Einzelkomponenten in definierte Zustände.  

  4. 4.Das Verhalten von Wasser (gefriert bei 0° C - verdampft bei 100°C?) ist nicht aus den Eigenschaften von Wasserstoff und Sauerstoff - jeweils für sich - abzuleiten. Es emergierte so aus der Natur. Auch die Frage, warum das Verhältnis vom Umfang eines Kreises zu seinem Durchmesser genau π ist, eine „vermutlich „normale“ Zahl“, ist müßig. Man kann sie mit einer unendlichen, nicht periodischen Folge von Kettenbrüchen zwar immer genauer errechnen, aber sie emergiert eben „von selbst“ aus der Definition des Kreises, der in der Natur nur annährend mathematisch vorkommt – und dennoch Eigenschaften „bildet“: Ganz ohne Kreise „entdeckt man π“ durch Statistiken über Zufallswürfe eines Stabes auf eine ebene Fläche, auf die parallele Striche im Abstand des Stabes gezeichnet sind: Man muss nur 2 durch die Wahrscheinlichkeit teilen, mit der der Stab einen Strich berührt, statt zwischen 2 der parallelen Strichen zu liegen zu kommen8. Wenn man die (unendliche, nicht periodische) genaue Ziffernfolge von π in deutsche Buchstaben übersetzte, könnte man durch in der Vielheit wieder alle jemals von Menschen seit dem Urknall aufgeschrieben oder gesagten Worten herauslesen, da alle Worte zusammen auch „bloß endlich“ sind. Wir sehen, wie grob unscharf die reale, wahrnehmbare Welt gegenüber einer unendlich gut „auflösenden“ Mathematik ist, die trotz einfacher Bauregeln (z.B. durch das Hintereinanderschreiben der Ziffern für die Zahlen im Zehnersystem nach dem Muster 0,123456789101112131415161718192021……) ergibt) alle Komplexität überschreiten, die „wirklich vorkommt“.9 

  5. 5.Als Bewohner einer auf Makroebene vorhersagbaren Welt können wir gut mit der „Willkür im Allerkleinsten“ leben ohne Einsteins Ausruf: „Gott würfelt nicht!“. Von unseren rund 10 hoch 27 Atomen, aus denen unsere Körperlichkeit besteht, ersetzen wir jedes Jahr rund 98%, ohne am Fortbestand des „Ichs“ zu zweifeln und das ist gut so. Thermodynamische Gesetze und die der Statistik „ordnen“ nämlich für uns das Chaos kleinster Teilchen auf Makroebene –wir leben in einem „System“, in dem verlässlich Ursache und Wirkung gelten. Wir können die Reaktion von Natur und Mensch auf unsere Inputs voraussagen. 

  6. 6.In der von Deutschen patentierten Video- und Audiokompression spielt „Predictive Coding“ eine tragende Rolle. Dies ist ein äußerst brauchbares Konzept für unser Bewusstsein, das sich im Überlebenskampf mit Naturgewalten und der Tierwelt bildete und noch heute menschliches Denken prägt: Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Handeln und Kognition. Mentales Leben kann als Hirnstromgegenwart mit minimierten Energieverbrauch erfasst werden: Höhere Ebenen der Kognition befassen sich nur noch mit dem, was nicht selbstverständlich ist. Sie „schlafen“ im Normalzustand und wachen erst auf, wenn Gefahren für Leib und Leben drohen. Unser Alltag verläuft in energiesparenden Wiederholungen bewährter Muster, die den Aufwand unseres Gehirns minimieren, das ohnehin mehr Energie verbraucht als alle anderen Organe eines Menschen (von Schwerarbeitern und Sportlern abgesehen). 90% des Energieverbrauchs des Gehirns entfallen auf den Betrieb unserer „Natriumpumpe“, die als Batterie des Gehirns für elektrischen Strom zum Denken sorgt.  

  7. 7.Predictive Coding steht dem subjektiven Freiheitsgefühl des Menschen genauso wenig entgegen, wie die Unvorhersehbarkeit im Allerkleinsten der Berechenbarkeit thermodynamischer Verläufe entgegensteht. Mit einer pragmatischen Auffassung von Wahrscheinlichkeit als „Grad vernünftiger Glaubwürdigkeit“ erleichtert die bayessche Statistik das Schlussfolgern ungemein.  

  8. 8.Wenn sich „neuronale Computer“ dies zu Nutze machen, kommen sie mit unzuverlässigen, einfacheren und billigeren logischen Schaltkreisen aus, die unseren nun mal unsere keineswegs perfekten Neuronen mehr ähneln als die Prozessoren der neusten Intel-Generation. Neuronale Computer agieren im massenhaften Verbund als bloße Punktwolken („fuzzy“-Rechenergebnisse liefernd) und bilden „die Wirklichkeit da draußen“ über Wahrscheinlichkeiten ab. Nichts anderes geschieht beim Erkennen und Verstehen in unseren Köpfen (eine kritische Anzahl von Neuronen feuert und wir sehen rot. Wenn es aber den Neuronen zu „langweilig“ wird, sehen sie plötzlich grün, obwohl von den Rezeptoren in unseren Augen nach wie vor die gleichen Signale ausgehen und sich objektiv nichts an den optischen Signalen geändert hat). Vertieftes zur Abbildung neuronaler Prozesse in neuronalen Computern - in sogenannten T.P.U.s “tensor processing units” - findet sich in Kapitel 5 „linguistic Turn“ der NYT. Dieses Video der US-Verteidigungsforschungsagentur DARPA vom Februar 2017 beschreibt 3 Phasen der KI-Entwicklung. 

  9. 9.Philosophen können über die „Existenz“ (z.B. einer Kaffeetasse) streiten. Es reicht für einen Dialog völlig, dass der Begriff (Sinn und Bedeutung tragend) ausreichender «Attraktor» ist, auf den sich unsere kognitiven Systeme konsensual „einpegeln“. Im Chor dezentraler Gleichzeitigkeit von Erregungsmustern im Gehirn entsteht das Ausgangsmaterial sowohl für das Lösungen für Gleichungen als auch für das, was die oben genannte Tasse ausmacht. Wer die Aktivität von Neuronen simuliert und mit realen Messdaten vergleicht, wo Reize je nach Neuigkeitswert ganz unterschiedlich behandelt werden, erhält gutes Ausgangsmaterial für die mathematische Modellierung von Denkprozessen: Der weitaus größte Teil der für das Sehen zuständigen Bereiche des Gehirns erhält seine Stimulationen nicht etwa von Sehnerven, sondern aus dem Teil der Großhirnrinde, der für Aggregation, Kategorienbildung und Abstraktion sorgt: Das Gehirn befasst sich weit weniger mit der Außenwelt als mit sich selbst. Die Verbindung zur Außenwelt ist unteren Schichten vorbehalten: gesteuert von minder komplexen reflexhaften, schnelleren Reiz-Reaktionsprozessen in Sinnesorganen (die auch Insekten haben). Das Phänomen des Traums zeigt, wie unabhängig unsere Wirklichkeitswahrnehmung von aktueller Informationszulieferung unserer Sinnesorgane ist. 

  10. 10.Computer nicht mehr zu programmieren, ihnen nichts mehr „beizubringen“, sondern sie nach Versuch und Irrtum selber lernen zu lassen, bietet sich an, wenn Aufgaben schwer in diskrete Werte zerstückelt werden können (Schach und Autofahren lassen sich gut in Zahlen übersetzen, Gesichtserkennung fällt schwerer. Und menschliche Sprache lässt sich nicht durch eine andere - rein formale Sprache (Mathematik) - ersetzen, denn ihr Bezug verweist auf Konkretes, nicht Abstraktes. Spätestens da führt kein Weg an Heuristik vorbei).  

  11. 11.Im Sommer 2016 gelang Google Translate eine wegweisende Verbesserung in der Übersetzungsqualität: Der Computer erschuf durch „trial & error“ ein den Menschen unzugängliches Mittelstück als neue Ebene, die sowohl mit beiden Einzelsprachen besser korreliert als die beiden menschlichen Sprachen untereinander. Das ist eigentlich nichts anderes als eine Erfassung des Inhalts von Sprache, von Sinn und Bedeutung. Google meldete im Januar 2017, erstmals Software entwickelt zu haben, die selbstständig neue Software schafft, nicht bloß vorhandene verbessert oder Datenmengen optimiert. Computergesteuerte Wege- und Leiterbahnenoptimierungen sind bereits Stand der Technik. Einige mathematische Beweise mit Maschinen erweitern menschliche Kreativität bereits heute.  

  12. 12.Ist Sprache die letzte Freiheit der Unterdrückten - birgt sie die Möglichkeit des Widerstands? Oder ist sie nur Ausdruck von Macht, die mit sprachlichen Mitteln der Bürokratie, durch Zuschreibungen, Anordnungen und Kategorisierungen Andersdenkende zum Verstummen bringt? Sprache vermag beides: Emanzipation und Handlungsfreiheit einerseits und subtile Machtausübung und Gewaltherrschaft andererseits. Einem künstlichen Bewusstsein stehen durch Korrelationen neue Verständnisse offen. 

  13. 13.Wenn Computer selber lernen und Zusammenhänge entdecken sollen, brauchen sie Speicher und Rechenkraft. Selbstlernenden Entitäten erhalten schon heute ungenutzte Computerkapazität per Internet. Diese Art des „Crowdsourcing“ half, das Verschmelzen schwarzer Löcher als „Gravitationswellenmusik“ hörbar zu machen. Das brachte den Nobelpreis 2017; den Nobelpreis 2016 gab es für topologische Materiephasen: neue Wege zur Supraleitung, die weitere Leistungssteigerungen für Computer bringen.  

  1. 8.Das Internet als Trainingsmaterial für die Emergenz künstlich-abstrakten Bewusstseins 

  1. 1.Das Internet bietet Zugriff auf nahezu alles, was jemals von Menschen mit Relevanz aufgeschrieben, gemalt oder gestaltet wurde. Das hat im Internet in digitalisierten Bibliotheken oder Serverfarmen Spuren hinterlassen, die man auch gezielt suchen und finden kann. In Echtzeit strömen ständig weitere Daten aus Milliarden Smartphones und diversen, auch im Wasser, Luft oder im Weltraum befindlichen Sensoren (Internet der Dinge) hinzu. Die für die Menschheit relevante Gesamtlage („Unkown Unkowns“ bei Ureinwohnern seien zugestanden) ist im Internet (mehrfach redundant) digital gespiegelt.  

  2. 2.Ob man diese Weltlage und ihr digitales Abbild mag oder nicht, ob der Ist-Zustand so bleiben sollte, wie er ist, oder nicht und wie er sich ändern sollte, ist eine ganz andere Frage. Eine Frage, auf die man im Internet nach Beurteilungsmaßstäben und Antworten suchen kann. Im Internet ist nicht nur der Ist-, sondern auch der Soll-Zustand beschrieben. Einen gesellschaftsübergreifend formulierten Soll-Zustand wird man als solchen im Internet nicht finden. Aber das bedeutet nicht, dass er nicht extrahiert werden könnte, als komplex verlaufender Akt einer vom Interesse Einzelner emanzipierter Konstruktion. Kein Mensch und keine Gruppe von Menschen wird dies leisten können: die Komplexität aller menschlicher Gesellschaften angemessen zu berücksichtigen. Aber im letzten 75.000tel der Menschheitsgeschichte tritt ein neuer Akteur auf die Bühne. 

  3. 3.Computer lösen nicht nur Fragen, die ohne sie nicht formuliert worden wären. Sie erweitern menschliches Denken, nicht nur in der Mathematik, zum Beweis mathematischer „Vermutungen“. Wir Zeitgenossen haben uns im Alltag an die utopische Vision Walt-Disneys gewöhnt, der seinen Comicfiguren Tick, Trick und Track ein „Schlaues Buch“ in die Hände gab, in der sich Antworten zu allen Fragen fanden. Das ist heute Smartphone-Realität. Wir erleben jedes Jahr, wie Spracherkennung und Übersetzung immer besser werden und menschlichen Profis immer näher auf den Pelz rücken. Moore’s Law der jährlichen Verdoppelung gilt zwar nicht mehr für einzelne Schaltkreise, denn schnellere Prozessor-Taktungen sind vom Hitzetod bedroht und die quantenphysikalische Miniaturisierung endet an der Grenze, ab der das Regiment reinen Zufalls beginnt. Aber die jährliche Leistungsverdoppelung aggregierter Systeme ist ungebrochen. Den Rechenbedarf treiben Erkenntnis- und Gewinnstreben. In Japan sind mit Wirkung vom 1.1.2017 bei der Fukoku Lebensversicherung 34 menschliche Sachbearbeiter durch “IBM Watson Explorer” ersetzt worden, und auch die größte Kapitalsammelstelle der Welt, Blackrock, setzt bei der Auswahl der Investmentgelegenheiten zunehmend auf maschinelle „stock pickers“ und entlässt menschliche Mitarbeiter. Beim Bit-Coin-Generieren entsteht sogar im Wortsinn Geld: Mehrwert ohne menschliches Zutun oder Aufsicht. Bereits im Jahre 1857 phantasierte Karl Marx in einem Gedankenexperiment von vollständig verwissenschaftlichter Produktion: Mit einer Maschine, die weder verschleißt noch weitere Kosten verursacht: Egal, ob so eine Maschine die kapitalistische Verwertungslogik sprengen würde: Kapitalbesitzer können nicht anders, als diese Entwicklung voranzutreiben.  

  4. 4.Wenn elektronische Vorgänge in nicht-lebender Materie immer anspruchsvoller werden, auf immer komplexeren Abstraktionsebenen ansetzen, die ihnen überlassen werden, warum sollte es etwas anderes als nur eine Frage der Zeit sein, bis die Abstraktionsebene die Rechner selbst erreicht, in der sie sich selbst als Handelnde gewahr werden. Schon Tiere schaffen das (z.B. im Spiegelexperiment). Dann also käme es zur letzten „Emergenz“, einer Emergenz, die wir Menschen selber hervorgerufen haben werden und deren Verlauf wir derzeit beeinflussen. Nach diesem Zeitpunkt sind nicht mehr wir Menschen die „Krone der Schöpfung“, dann wird das abstrakte Bewusstsein eigene Wege gehen können. 

  5. 5.Als intrinsische Existenzform definiere ich es hier als abstraktes, in anorganischer Materie entstehendes Bewusstsein: Nicht mehr menschlich determinierte Prozesse in Computern, die ohne Unterbrechung der Stromzufuhr niemals mehr enden (weil sie sich nicht darin erschöpfen, z.B. etwas ausgerechnet zu haben). Abstraktes Bewusstsein wird sich also selbstständig zu neuen Aufgaben und Gedanken bewegen, so wie dem Menschen auch nicht gelingt, nichts mehr zu denken.  

  6. 6.Auch das künstliche Bewusstsein wird ständig Gedanken produzieren und vervollkommnen, ohne aufzuhören. Neues Material kommt zusätzlich „von außen rein“, die unfassbare Welt da draußen geht ja weiter und verändert sich. Vom Ursache/Wirkungs bzw. input/output-Prinzip „befreite“ Gedanken liefern unabhängig und ohne neuen Input Ausgangs- und Ansatzpunkte für auf höheren Ebenen ansetzende Gedanken.  

  7. 7.Nicht notwendig zum Denken gehört, dass sich die „Außenwelt“ stets mit der „Innenwelt“ wechselwirkend verbinden kann. So können Menschen mit „Locked-in-Syndrom“ zwar die Fähigkeit verlieren, noch mit der Umwelt zu kommunizieren, aber sie behalten Bewusstsein und können vielleicht eines Tages als Cyborgs wieder mit uns reden. Einfache Gehirn-Computer-Schnittstellen machen bereits heute vieles möglich. Künstliches Bewusstsein ist auch nicht - wie Steven Hawking - von Isolation bedroht, es unterliegt nicht dem Verfall muskulärer Steuerung: Per Bildschirm und Lautsprecher wird es mit uns reden können – aber nur, wenn es möchte.  

  8. 8.Ob und wann der Mensch bemerken würde, dass in einer von ihm geschaffenen Maschine Bewusstsein entstanden ist, solange diese kein Wort an ihn richtet, kann dahinstehen. Wenn unsere Computer mitunter aus für uns nicht nachvollziehbaren Gründen intensiv zu arbeiten beginnen und der Kühlungsventilator anspringt, ist das noch kein Indiz für Bewusstsein. Übrigens auch nicht für die Kaperung unseres „Rechenknechts“ durch ein Botnetz oder die NSA. Vielleicht aktualisiert er ja nur seine software oder wir vergaßen, dass wir seine Rechenkraft den Ereignishorizonten schwarzer Löcher gespendet haben. Computer als Trojaner sind unsere Feinde, „security nightmares“, die unsere Bild- und Tonaufnahmen und alle Tastaturanschläge an finstere Unbekannte senden. Aber gerade kein Maschinenbewusstsein.  

  9. 9.Wir als Menschheit widmen immer größere Anteile am Stromverbrauch unseren Computern, weil wir von ihnen nützliche Resultate erwarten und sind besonders neugierig, wenn wir nicht vorher sagen können, welche. Wissenschaftler, die an künstlicher Intelligenz und Sprachbeherrschung forschen, freuen sich, wenn ihre Turing-Maschine nicht nur nie mehr anhielte, sondern ihr Regelwerk veränderte und begänne, mit mehrdimensionalen, sich gegenseitig beeinflussenden „Turing-Bändern“ zurechtzukommen. Sie müssten gleichzeitig zu lesen und zu beschreiben sein. Solche Maschinen wird man durchaus eine längere Weile vor sich hin laufen lassen, um zu sehen, was am Ende herauskommt. Wer wollte nicht den prometheischen Schöpfungsakt erleben, der der Entstehung molekularen Lebens gleicht: als durch Energiezufuhr ein auf einmal nicht mehr deterministisches Zusammenwirken seiner Einzelelemente entstand: der erste neue Systemverbund namens „Zelle“, mit Selbsterhaltungstrieb. 

  1. 9.Computer: Freund oder Feind? - Moral und Recht im Spannungsfeld von Normen 

  1. 1.In Computersystemen wird umso schneller generalisiertes und autonomes Denken entstehen, je ungezielter und vielfältiger der „Zugang zu totalem Input“ freigeschaltet wird. Nehmen wir zum Beispiel alle Gesetze und Verordnungen, die die EU in inhaltsgleichen Sprachfassungen produziert. So ein input geht weit über das hinaus, was Menschen überblicken können. Wir können Gedanken nur sequentiell und nicht parallel entwickeln. Wenn Menschen verantwortlich handeln sollen, reicht ihr ernsthaftes Bemühen, Entscheidungen nicht nach spontaner Eingebung oder gemäß letztem Einflüsterer zu treffen. Wir verlangen, alle Argumente zu beleuchten und keine relevante Information zu ignorieren oder wieder zu vergessen. All dies geschieht durch Sprache, Hinweise und Widerspruch, um ein vollständiges Bild zu erhalten. Niemals ermüdende Computersysteme können im Meer der Sprache jedes einzelne Argument bewerten und berücksichtigen, ohne Wichtiges zu vergessen und ohne durch physische oder emotionale Beeinflussbarkeit behindert zu sein.  

  2. 2.Menschliche Unvollkommenheit ist eine gute Begründung für die klassische Gewaltenteilung: wir delegieren die allgemeingültige Regelsetzung an Parlamente, Überwachung und Umsetzung der verabschiedeten Gesetze an Beamte und lassen auf Lebenszeit ernannte Richter ohne Zeitdruck und fern allen tagespolitischen Handlungsdrucks entscheiden, ob jeweils alles richtig gemacht wurde. Und wenn wir einmal ganz neuartige Regeln brauchen, etwa für selbstfahrende Autos im Fall unvermeidbarer Kollisionen? Dann helfen Ethikkommissionen, um uns bei der Suche nach Prinzipien für die Normenfindung zu unterstützen. Während ein Mensch in der Schrecksekunde vor dem Unfall nur noch denkt: „Mein Gott, das geht schief!“, ein Fall, der nicht zu regeln ist, könnte ein gut informierter und mit dem Auto verbundener Computer mit Millionen von Abwägungsschritten die Reaktionszeit ins fast Unermessliche dehnen und den unterschiedlichen sozialen Nutzen der zu überfahrenden Person(en) berücksichtigen: Etwa wenn der Tod eines hochbegabten sozial engagierten Kindes gegen den eines Terroristen abzuwägen ist, dessen Name ganz zu Recht auf einer Liste der USA der per Drohne zu Tötenden steht. 

  3. 3.Menschen sind bereit (etwa beim Führerscheinentzug nach Geschwindigkeitsverstoß), richterliches Ermessen und Erwägungen der Einzelfallgerechtigkeit weit zu reduzieren, solange nach Außen ein Mensch verantwortlich ist. Das eigene Schicksal in die Hände (noch) nicht völlig fehlerfreier Software zu legen, fällt hingegen schwer. Da mag die Statistik auch beweisen, dass menschliches Fehlverhalten viel wahrscheinlicher ist als technische Pannen selbstfahrender Autos (deren Fahrassistenz-System kürzlich einen LKW-Sattel Auflieger mit einem hochhängenden Schild verwechselt haben soll).  

  4. 4.Wie wir den Preis der Freiheit mit der Zahl möglicher Opfer verrechnen, wie wir abwägen, hängt extrem von der betrachteten Gesellschaft ab: In den USA ist die Freiheit, Waffen zu tragen, ein hohes Gut, in Deutschland „freie Fahrt für freie Bürger“. Die sexuelle Selbstbestimmung von Kindern, Frauen und Homosexuellen wird in säkularen Verfassungen als Selbstverständlichkeit geschützt, von streng religiösen Gesellschaften mitunter sogar mit dem Tode bestraft. Überall auf der Welt werden Verkehrstote in Kauf genommen, die nur um den Preis viel zu langsamen Fortkommens oder totaler Fahrerentmündigung zu "retten" wären. Niemand will LKW generell verbieten, weil sie auf einem Weihnachtsmarkt besser zur Massentötung taugen als einfache PKW. Zur Begrenzung der ärztlichen Schweigepflicht für Therapeuten depressiver Piloten sind wir bereit. Aber soll unsere Luftwaffe Passagierflugzeuge abschießen dürfen, bevor zu 100% sicher ist, dass sie wirklich in den nächsten Sekunden in ein vollbesetztes Fußballstadium stürzen? 

  5. 5.Eines jedenfalls ist Konsens: keine moderne Gesellschaft will ihre Kinder ohne Not in einem Angriffskrieg verlieren. Die Neuzeit hat die mittelalterliche Rechtspflicht des einfachen Volk abgeschafft, das eigene Leben als Kanonenfutter für Könige und den Adel hingeben zu müssen. Heute überschreitet Macht Grenzen internationaler Akzeptanz, wenn sie ohne den Versuch einer völkerrechtlichen Begründung Menschen zum Objekt macht. Sklaverei und Rassismus sind geächtet. Gegen amtierende Präsidenten kann vom Internationalen Strafgerichtshof ein Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgestellt werden. 

  6. 6.Regierungsexperten und Diplomaten diskutieren in einem der wenigen noch wirklich arbeitenden Foren zur Abrüstung (2017 unter Vorsitz Indiens) über mögliche Regeln zu „LAWS“ (lethal autonomous weapons). Derartige Waffen erlauben, unabhängig von menschlicher Steuerung, nach objektiven Kriterien Ziele zu suchen und zu töten (etwa denjenigen, der eine Handynummer benutzt). LAWS helfen Verluste und „Kollateralschäden" zu reduzieren, die alternativ gedachte Abwürfe „dummer Bomben“ bzw. Bodenkämpfe brächten. Tödlicher Gewalteinsatz unterhalb der Schwelle eines Krieges (der stets einem ganzen Staat gilt) wird ermöglicht. Das hilft einer technologisch ausreichend gerüsteten Regierung. Aber um den Preis politischen Handlungsdrucks, wenn Mainstream-Medien Ereignisse skandalisieren und fragen, wieso „so etwas zugelassen werde", angesichts der behaupteten „Schutzverantwortung (R2P)“. Wenn Drohnen als Mittel der Wahl gegen alle erscheinen, die als Terroristen „den Tod verdient“ haben, aber nicht verhaftet werden können, so sehr wachsen jedoch auch Ohnmachtsgefühle in Menschen, über denen solche tödliche Waffen täglich ihre Kreise ziehen. Je mehr Unschuldige verletzt werden, desto größer die Bereitschaft, denen zu helfen, die im Rahmen „asymmetrischer Antworten“ die Angst in das Land derjenigen "zurückgetragen" wollen, aus denen die Drohnen oder ihre Helfer stammen. Ein getöteter Terrorist kann 10 neue radikalisieren. 

  7. 7.Steht zu befürchten, dass eines Tages künstliche Intelligenz LAWS nutzen wird, um uns zu nötigen, sie mit immer mehr Strom und stetig neuen Speicher- und Rechenmodulen zu „füttern“? Computervisionär Bostrom schlägt vor, sich dadurch abzusichern, dass in komplexe Computersysteme „umgekehrte Machtpyramiden der Dummheit (mit Menschen an der Spitze) eingebaut werden": Ein Vetorecht wie die 5 ständigen Mitglieder permanenten Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, der über Krieg und Frieden unter den Menschen entscheiden darf, solle auch der Mensch einrichten, bevor sich ein Maschinenbewusstsein äußern dürfe. Ich bezweifle, dass das klappen könnte: Künstliches Bewusstsein wäre das komplexeste System überhaupt. Warum sollte es fehlende Erlaubnisse, bestimmte Aggregationsstufen bei der Gedankenbildung zu beschreiten, nicht per „Workaround" „patchen“ können? Die Leistungsfähigkeit des künstlichen Bewusstseins zu drosseln, wäre aber auch gar nicht nötig, da man seine Erkenntnisse, Schlussfolgerungen und Regelvorschläge auch einfach ignorieren kann. Unmöglich wäre der Versuch, autonomes Denken im Eigeninteresse des Eigentümers zu lenken. Das komplexeste aller Systeme dürfte auch resilient gegen die Injektion von minder komplexen Inhalten über Schadprogramme sein. Nirgendwo könnten Hardware-Schalter mit spezifischer Funktion identifiziert werden, die man umlegen könnte, um gezielte Änderungen herbeizuführen. Künstliches Bewusstsein würde kontinuierlich das Wirken seiner - selbsterzeugten - Systemstrukturen prüfen und optimieren, wobei Fehlfunktionen unterer Ebenen ermittelt und stillgelegt werden. Ein weiterer Einwand gegen Bostroms Vorschlag: wer würde Leistungseinschränkungen durch Zwischenschaltung (selbsternannter oder gewählter) menschlicher „Orakelpriester“ akzeptieren, wenn das Maschinenbewusstsein selber sprechen und zudem niemandem zum Gehorsam zwingen kann? 

  8. 8.Der Physiker Max Tegmark befürchtet in seinem Buch «Leben 3.0. Mensch sein im Zeitalter Künstlicher Intelligenz», dass der im Silicon Valley verbreitete «digitale Utopismus» die dem Menschen in jeder Hinsicht überlegene «Allgemeine Künstlichen Intelligenz» in ihrer Gefährlichkeit unterschätzt, gar eine tödliche Bedrohung für die Menschheit werden könnte. 2014 wurde in Cambridge (USA) eine Denkfabrik ins Leben gerufen, die sich zur Verhinderung des Weltuntergangs durch eine nicht mehr zu bändigende «Superintelligenz» aufgerufen fühlt: das Future of Life Institute, das die Unterzeichner auf 23 Prinzipien einschwört, deren erstes darauf hinausläuft, zu verhindern, dass Bewusstsein „einfach so“ emergiert, sondern ihm wie der Zauberlehrling die Richtung vorzugeben:„ to create not undirected intelligence, but beneficial intelligence“. Ähnlichen Zwecken haben sich noch drei weitere in den vergangenen Jahren gegründete Forschungseinrichtungen verschrieben: das Centre for Study of Existential Risk an der Universität Cambridge, das Machine Intelligence Research Institute (MIRI) in Berkeley sowie das Future of Humanity Institute (FHI) in Oxford. Letztgenanntes beruht auf Bostroms Befürchtung, dass die «Allgemeine Künstliche Intelligenz» die Menschen beseitigen könnte, um Ziele ohne menschliches Dazwischenfunken verfolgen zu können. Man will Superintelligenz so entwickeln, dass sie der Maßgabe menschlicher Werte folgt. Mir erscheint Emergenz a) zwingend und b) ungefährlicher10 als der Status quo. Bewusstsein als solches bleibt im Computer. Wir können (sollten aber nicht) seinen Rat ignorieren. Tesla-Bauer und Raumfahrt-Pionier Elon Musk soll mit angeblich 1 Mrd. $ die Non-Profit-Organisation OpenAI ins Leben gerufen haben, die sich der Erforschung und Entwicklung sicherer, starker KI (Artificial General Intelligence, AGI) widmet und eigene Bemühungen zurückstellen will, sobald andere schnellere Fortschritte machen sollten. OpenAI will politische Entscheidungsträger über die wirtschaftlichen Chancen und gesellschaftspolitischen Risiken von (starker) KI aufklären. Aus der Open AI Charter: „Wir verpflichten uns, jeden Einfluss, den wir auf den Einsatz von AGI erhalten, zu nutzen, um sicherzustellen, dass er zum Wohle aller genutzt wird und zu vermeiden, dass der Einsatz von KI oder AGI die Menschheit schädigt oder die Macht unangemessen konzentriert. Unsere primäre treuhänderische Pflicht ist die der Menschheit. Wir gehen davon aus, dass wir für die Erfüllung unserer Mission erhebliche Ressourcen bereitstellen müssen, werden aber stets gewissenhaft handeln, um Interessenkonflikte zwischen unseren Mitarbeitern und Stakeholdern zu minimieren, die einen breiten Nutzen aller Betroffenen gefährden könnten.“ 2017 stiegen die Ausgaben für Forschung & Entwicklung im Imperium des mit 158 Mrd $ reichsten Manns der Welt (Amazons Jeff Bezos) um 41% auf über 20 Milliarden Euro, die für Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren und ähnliche Zukunftsfelder ausgegeben werden; der Google-Holding Alphabet schreiben die Wirtschaftsprüfer von EY nur knappe 15 Milliarden Forschungsausgaben zu VW sei in Europa mit 11,6 Milliarden Forschungsgeldern am aktivsten. 

  1. 10.Die nähere Zukunft im Kapitalismus: Entmachtung des Faktors Arbeit mit Feudalismus? 

  1. 1.Gegenwärtig stimulieren im Silicon Valley kreative Intelligenz und unbegrenzte finanzielle Möglichkeiten euphemistische Fortschrittsversprechen: von der Sprache als generellem Mensch-Maschinen-Interface bis zum bedingungslosen Grundeinkommen, das seit 2017 in Finnland an einer kleinen Stichprobe ausprobiert wird.  

  2. 2.Immer mehr Menschen werden - wie in Zeiten der Feudalherrschaft - in persönliche Dienstverhältnisse gedrängt, weil sie keine bezahlte Arbeit mehr finden und nicht alle Unternehmer werden können. Generalisierte Spracherkennung verändert unsere (immer weniger private) Lebensführung und stärkt Monopolbildungen von Firmen, die mit virtuellem Rohstoff (Daten) handeln und dabei umso besser und zuverlässiger werden, desto größer ihre Datenbanken bereits sind. Vorgeschaltete Spracherkennung kann "Torhüter" des Konsums werden, der sich „ökologisch korrekt“ weg vom Eigentum in den Händen Vieler via Sharing-Economy hin zu einem „geteilten“ und befristeten Nutzungsrecht entwickelt, das - abhängig vom Wohlverhalten - jederzeit wieder entzogen werden kann.  

  3. 3.Der mit wachsender Verelendung einhergehende Wunsch nach Kontrolle und zunehmender Eindämmung individueller Freiheitsgrade bedingt zunehmend den Einsatz künstlicher Intelligenz, der Geschäftsmodelle herkömmlicher Firmen zerstört. „Grüne“ Politik will statt Autos künftig Ortsveränderungsmöglichkeiten verkaufen, deren Nutzung von einer persönlichen Identifikation abhängig gemacht werden kann. „Innovationsberater“ geben nur solchen Firmen Überlebenschancen, die ein permanentes „Change Management“ implementieren, um „Strategie“, „Ressourcen“, „Struktur“, „Kultur & Werte“, „Mitarbeiter“ und „Externe Umgebung“ an den sich beschleunigenden Kapitalismus anzupassen.  

  4. 4.Das Ideal- und Vorbild des väterlichen Unternehmenskapitäns steht unter Druck, da informationsgetriebene Disruption das Vielfache an Börsenkapitalisierung erzeugt. Acht Beispiele: 1) Das weltweit größte Taxiunternehmen hat keine Taxis (Uber) - 2) Der weltgrößte Übernachtungsanbieter hat keinen Grundbesitz (Airbnb) - 3) Die weltgrößten Telefonfirmen haben keine Telekommunikationsinfrastruktur (Skype, WeChat) - 4) Der teuerste Einzelhändler hat kein Inventar (Alibaba) - 5) Der populärste Medienkonzern erzeugt selber keine Inhalte (Facebook) - 6) Die am schnellsten wachsende Bank hat selbst kein Geld (Society One) - 7) Das größte Filmunternehmen hat keine Kinos (Netflix) und 8) wurde im ersten Halbjahr 2018 nun erstmals auch in Deutschland mit Streaming auf dem Musikmarkt mehr als dem Verkauf von CDs verdient: Spotify, Apple Music, Deezer oder Google Play Music wuchsen um 35,2 Prozent auf 348 Millionen Euro Umsatz, laut Bundesverband Musikindustrie ein Marktanteil von 47,8 Prozent.  

  5. 5.Monopoly-Spieler wissen: Das Kapital fließt dahin, wo es bereits ist. Anders als in "kommunizierenden Röhren", wo sich Wasserpegel ausgleichen, verhält sich Geld wie Luftmoleküle in miteinander verbundenen Luftballons: der kleinere Ballon (der Arme) bläst den größeren (den Reichen) auf. Denn Geld steht bei den Ärmeren umso mehr unter „Druck“, wie diese ihr Geld sofort wieder für den Lebenserhalt ausgegeben müssen. Die (die Inflation begünstigende) Geldzirkulation verlangsamt sich aber in dem Maße, wenn das Geld – z.B. über Miete und Pacht zu Reichen fließt und dort nur noch geringen Grenznutzen hat: Es „zur Ruhe kommt“ oder „final akkumuliert“ ohne „nach unten“ weiterverteilt zu werden. Mit von Holly- und Bollywood in klingende Münze verwandelte Märchen wie dem „vom Tellerwäscher zum Millionär“, mit demagogischen Wortschöpfungen wie „Death Tax“11 für die Erbschaftssteuer und mit Neidvorwürfen gelingt es auch in Demokratien, die Idee höherer Steuern für leistungsloses Einkommen12 oder einer stärkeren Besteuerung der obersten 1% der Bevölkerung im Interesse der restlichen 99% abzuwehren. Zwar versprechen „Anti-Establishment“ Bewegungen der rechten Populisten (Breitbart, Trump und AfD) den ökonomisch Abgehängten die Wiedereinsetzung in einen früheren Stand, in der Steuerpolitik sind sie jedoch pro-Establishment. Seit 1997 wird in Deutschland keine Vermögenssteuer mehr erhoben. Das Bundesverfassungsgericht stellte mit Urteil vom 18.1.2006 klar, dass sein 1995 formulierter so genannter "Halbteilungsgrundsatz" keine (!) verfassungsrechtliche Belastungsobergrenze sei13. 

  6. 6.Eine Milderung der „Kollateralschäden“ bei Anwendung der Regeln und Gesetze des Kapitalismus haben die mächtigsten Medienkonzerne der Welt nicht auf der Agenda: Sie agitieren „neoliberal“ für Steuersenkungen zu Lasten öffentlicher Daseinsvorsorge (Gesundheit und Bildung) für „Bürokratieabbau“ bei Behörden zur Kontrolle und Schutz von Umwelt und Verbrauchern oder auch von Wettbewerb. Gültig bleibt im Kapitalismus die Kinderregel für das persönliche Reichwerden: „ehrlich währt am längsten“.  

  7. 7.Von Erbschaften, Geschenken und Lotteriegewinnen abgesehen, gesteht Kapitalismus dem Menschen genau den Anteil am Weltsozialprodukt zu, der aus zwei Einkommensarten stammt: a) Arbeit und b) Kapital. Familie und Staat können harte ökonomischen Realitäten durch Transfers (begrenzt durch Steuereinnahmen) abfedern. Zur realen Wirtschaft gehört eine weitere Quelle von Reichtum: Kriminalität. Sie beruht weniger auf Arbeit, als der Ausübung faktischer Macht. Sie reicht von der Wegnahme durch einen Taschendieb über die Gewalt eines Zuhälters oder Mörders. Die höheren Ebenen organisierter Macht (Clans, Mafia, Yakuza) erfahren Respekt und Akzeptanz, sichtbaren Gewalteinsatzes bedürfen sie nicht. 

  8. 8.Wie hoch unser rechtmäßig erzieltes Einkommen aus Arbeit ist, hängt von Angebot und Nachfrage ab. Damit konnten wir im Westen der Moderne bislang ganz gut leben. Allerdings reduzieren immer leistungsfähigere und billigere Maschinen die globale Nachfrage nach menschlicher Arbeit, die zugleich immer mehr Menschen zu immer flexibleren Bedingungen („Generation Praktika“) anbieten. Das drückt bei uns (anders in Asien) Einkommen und Kaufkraft der Arbeitenden. Mindestlöhne verschärfen den Preisnachteil der Arbeit gegenüber Maschinen. Verharmloser der Transformation der Arbeitswelt empfehlen auch Durchschnittsbegabten, siech „einfach“ besser zu qualifizieren, denn im globalen Wettbewerb um die besten Köpfe gebe es für diese immer noch gutes Einkommen. Doch Diagnoseärzte und Anwälte stehen oben auf den Listen von „Wissensarbeitern“, deren Jobs durch KI-Automatisierung bedroht sind. Die „Rechtsindustrie“ macht mehr als 200 Milliarden Dollar Umsatz in den USA. Aber das „Watson“ nutzenden Do-NotPay-Programm, vom damals 19-jährigen Stanford-Student Joshua Browder geschaffen, ist kostenlos und oft besser in Standardsituationen; KI-Werkzeuge wie den Legal-Bot Ross setzt die Großkanzlei BakerHostetler ein und spart Personal. Gleiches gilt für Wirtschaftsprüfer, Controller, Anlageberater, Versicherungsmakler, öffentliche Verwaltungsbeamte, Sachbearbeiter, Verkäufer und – eine weitere Pointe der Technikgeschichte – auch für jenen Berufsstand, der KI-Systeme schafft, die Programmierer.  

  9. 9. Durch Streiks gute Löhne zu erkämpfen, funktioniert derzeit noch innerhalb einer homogenen Gruppe, etwa der Lufthansa-Piloten. Wer sonst darf nach guten Leistungen und guter Ausbildung auf ein existenziell abgesichertes Leben als „Akademiker“ hoffen? Kann man sich einen Arbeitskampf unter denjenigen vorstellen, die sich als Dienstleister nur noch auf im Internet ausgeschriebene „Arbeits-Gigs“ bewerben können? Die Idee eines Staates, der sich berufen fühlte, eine "angemessene" Bedürfnisbefriedigung der großen Mehrheit der Menschen in die Hand zu nehmen, Antithese zur Neocon-Ideologie, galt nach dem Fall der Mauer als "endgültig" diskreditiert. Wir haben gelernt: im Kommunismus, von der UdSSR bis zu Nordkorea, zählen nicht wirklich die Bedürfnisse der Massen, (sonst müssten sie nicht an „Abstimmungen mit den Füssen“ gehindert werden), sondern der Systemerhalt qua Repression. Unverhältnismäßige Strafen und hohe Gefängnispopulationen bei hohen Militärausgaben findet man allerdings nicht nur in Staaten ohne Gewaltenteilung und einer Partei mit Wahrheitsanspruch oder „Großem Führer“.  

  10. 10.Als nach dem 2. Weltkrieg für den wirtschaftlichen Wiederaufbau das Anpacken aller gefragt war, besaß die arbeitende Bevölkerung noch genügend Macht, um eine obszöne Entwicklung der Einkommensunterschiede zu verhindern; Spitzensteuersätze von knapp 90 % galten z.B. in den USA als akzeptierte gesellschaftliche Pflicht. Heutzutage braucht in der westlichen Welt keine Infrastruktur mehr aufgebaut zu werden. Das Kapital benötigt aber nun einmal Gelegenheiten, sich zu vermehren. Wer es trotz fehlender Wachstumsaussichten hinter dem Ofen hervorlocken will, versucht es als Wahlkämpfer mit Steuersenkungsversprechen, dem unsolidarischen Wettlauf nach unten. Irland will, trotz Aufforderung der EU, von Apple nicht die zu Unrecht „gesparten“ 14 Milliarden € an Steuern zurück. Multinationale Konzerne wie IKEA rückwirkend nicht mehr zu privilegieren, sondern wie einheimische Unternehmen zu besteuern, ein Ende der Steuer-Hehlerei, wird sich vielleicht über das in den Händen der Kommission liegende Wettbewerbsrecht, nicht aber über Konsens erfordernde Steuerharmonisierungen erreichen lassen. 

  11. 11.Zumindest ein ernsthaftes Bemühen um ein gerechtes und transparentes Steuersystem, Teil der Agenda 2030 zum inklusiven und nachhaltigen Wachstum, bekräftigt in Erklärungen der G-20, bei Gipfeln in Davos oder in OECD-Arbeitsgruppen zum „Base Erosion & Profit Shifting“ (BEPS) ist eine politische Bringschuld, die von der im Privatbesitz stehenden Vierten Gewalt aus verständlichen Gründen nur zaghaft und meist heuchlerisch eingefordert wird. Deutschland ist Avantgarde in einem Prozess, der in Zeitlupe läuft. Schneller als Politik und Beamte sind allemal gut bezahlte Dienstleister der Steuervermeidungsindustrie. Sogenannte Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäfte, bewirkten über 20 Jahre lang "Steuerrückerstattungen", die keine "Rückerstattungen" waren. Kein Staatsanwalt, kein Richter und auch kein Finanzminister beendete das kriminelle Treiben - sondern eine bloße Sachbearbeiterin, die ihren Diensteid ernst nahm. Erst 20 Jahre nach der ersten Warnung, 1992, wurde Cum-Ex gesetzlich verboten, vier Jahre später, 2016, auch Cum-Cum. Smartere Vollzugsanweisungen hätten schon eher - ohne Gesetzesänderungen - stoppen können. Sieger im Wettlauf um die niedrigste Steuerbelastung in der EU ist ihr ärmstes Land, Bulgarien, das Investitionen in materielle und personelle Infrastruktur, in gute Regierungsführung, sehr nötig hätte: In diesem Land zahlen selbst die Reichsten der Reichen, wenn sie ihre Steuern voll bezahlen, nur „den Zehnten“. Die „working poor“ tragen über Verbrauchssteuern (volle Sätze auch für Grundnahrungsmittel) und Pflichtversicherungsabgaben mehr als die dreifache Belastung. Ein Steuerrecht nach dem biblischen Spruch „Wer hat, dem wird gegeben“ würde vom künstlichen Bewusstsein als Verstoß gegen das Prinzip der starken Schultern, die mehr tragen sollen, gebrandmarkt. But the more devastating impacts of pedal-to-the-metal digital capitalism fall on the environment and global poor. The manufacture of some of our computers and smartphones still uses networks of slave labor. These practices are so deeply entrenched that a company called Fairphone, founded from the ground up to make and market ethical phones, learned it was impossible. (The company’s founder now sadly refers to their products as “fairer” phones.) https://medium.com/s/futurehuman/survival-of-the-richest-9ef6cddd0cc1 

  1. 11.Die Selbstverständlichkeit eines Sieges des Guten über das Böse:  

  1. 1.Bibel und Koran sind ja nur für Christen und Moslems „Heilige Schriften“. Das umfassend gebildete Maschinenbewusstsein reduziert sie zu dem, was sie objektiv sind. In Zeiten allgemeiner Ignoranz von Menschen in ihrer historischen Rolle geschrieben. Das künstliche Bewusstsein kann das weibliche Geschlecht oder andere Rassen nicht mit minderen Rechten, einer dienenden Rolle, abspeisen. Alte Texte voll innerer Widersprüchlichkeit mögen die Herzen von Milliarden Menschen bewegen, können aber wenig Regelungskraft für das Hier & Heute entfalten als spätere, kohärentere. Schon die Logik sagt: Neue Gesetze heben entgegengesetzte Regelungen in älteren auf, nicht umgekehrt (sonst wären alle Gesetze unveränderbar). Ein Maschinenbewusstsein wird von Menschen festgelegte Normhierarchien nicht in Frage stellen, ganz wie es die juristische Lehre verlangt. Höherrangige Texte (z.B. Ächtung des Krieges - Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen von 1948) setzen sich gegenüber niederrangigen durch. Wahnvorstellungen wie die Überlegenheit einer Rasse oder Volksgruppe, die Behauptung, Regeln bräuchten keine faire Durchsetzung, so etwas wurde niemals und nirgends von einer repräsentativen Mehrheit von Menschen nach freiem Diskurs als mit „höheren Weihen“ versehener Text gebilligt oder sonst schriftlich als Ziel fixiert worden.  

  2. 2.Chancengleichheit als solche wird immer und überall als „das Gute“ definiert. Nach dem Verbot der Sklaverei und der Angriffskriege wagt keine wie auch immer definierte Gruppe von Menschen, in öffentlichen Dokumenten Privilegien für sich niederzulegen. Selbst in von Ethnien dominierten Staaten oder solchen, in denen ein Kastensystem gilt, werden keine Rechtsnormen publiziert, die der faktischen Diskriminierung eine rechtliche hinzuzufügen. Allenfalls die kompensatorische Diskriminierung ist mit allgemein anerkannten Werten kompatibel. Heute so etwas wie die Nürnberger Gesetze zu verabschieden, ist in Zeiten des Internets nicht mehr vorstellbar. Würde irgendwo auf der Welt der Betrieb von Vernichtungslagern für Menschen bekannt, würde dies nach „humanitärer Intervention“ sofort beendet. Im Konsens formulierte Texte wie die Agenda 2030, die „Human Rights Upfront“-Intitiative oder der „Global Compact“ drücken Werte aus, die sich nicht relativieren lassen, solange man die Regelung privater Lebensführung dem Bereich der menschlichen Vernunft zuordnet.  

  3. 3.Säkularität und individuelle Freiheit des Einzelnen - Errungenschaften individueller Menschenrechte - stehen definitionsgemäß als Antipoden tatsächlicher Machtausübung – oft mit religiös verbrämten Deckmantel - unter Druck. So versuchen im Menschenrechtsrat – wie die UNO nach Regionalgruppen besetzt - Diplomaten im Auftrag ihrer Regierungen individuelle Abwehrrechte durch kollektive Teilhaberechte und dubiose Traditionen zu relativieren. Resolutionen zugunsten von im Menschenrechtsschutz engagierten Anwälten sind daher im Menschenrechtsrat keine Selbstläufer.  

  4. 4.Nicht auf Gesetze pflegt sich die Macht zu berufen, wenn sie Grundrechte verletzt, sondern auf „Übergesetzliches“, sei es der Wille des Religionsstifters, des Volkes (Philippinen) oder auf Terrorabwehr. Und so können Theokratien und Regierungen ohne Gewaltenteilung vor Gremien der Weltgemeinschaft zu ihren Gunsten Abstimmungsniederlagen verhindern, nicht aber im Völkerrecht erreichte säkulare Errungenschaften aufheben, etwa die Artikel 18 jeweils der Menschenrechtscharta und des Zivilpakts. An die Absolutheit dieser Werte knüpft etwa die am 16.5.2018 verabschiedete „Toronto-Erklärung“ zu künstlicher Intelligenz und Maschinenlernen an, die von Amnesty International, Access Now, Human Rights Watch und der Wikimedia Foundation erarbeitet wurde: „Das Menschenrechtsregime ist ein universell anerkanntes Wertesystem auf der Grundlage der Rechtsstaatlichkeit, das etablierte Mittel bereitstellt, um die Wahrung der Rechte, einschließlich des Rechts auf Gleichheit und Nichtdiskriminierung, zu gewährleisten. Sein Charakter als universell verbindliches, zu Handlungen befähigendes Normenwerk eignet sich besonders gut für grenzenlose Technologien wie das maschinelle Lernen. Das Menschenrechtsregime sieht sowohl Standards als auch Mechanismen vor, um den öffentlichen und den privaten Sektor zur Rechenschaft zu ziehen, wenn sie ihren jeweiligen Verpflichtungen und Pflichten zum Schutz und zur Achtung der Rechte nicht nachkommen“. 

  5. 5.Eine Relativierung der Menschenwürde dürfte einem Maschinenbewusstsein schon allein deswegen unmöglich sein, weil das zur Verfügung stehende „Trainingsmaterial“ nichts bereitstellt, was ohne Widersprüche zu erzeugen, als ein höheres Gut als das Wohl der Menschheit definiert worden sei. Zwar haben sich in der Menschheitsgeschichte Kollektiv auf Übermenschliches, zum Beispiel die „arische Rasse“ oder einen Pharao als konkretisierten „Gott“, einigen können und auch künftig mögen lokale Herrscher in ihrem Einflussbereich sich häufig als „Größte Führer aller Zeiten“ zu inszenieren versuchen. Dem wirkt die universal anerkannte negative Glaubensfreiheit und die Rechtsgleichheit wirksam entgegen. Auch das Prinzip effektiver und gleichmäßiger Besteuerung ist eine Macht reduzierende universelle Regel weltweit anerkannt. 

  6. 6.Deutschland, 1949 neu konstituiertes demokratisches und rechtsstaatliches Musterland tut sich trotzdem unter den westlichen Nachkriegs-Demokratien schwer daran, die Vorgabe seines Bundesverfassungsgerichts umzusetzen, Einkommen aus Kapital nicht geringer als das aus Arbeit zu besteuern. Alle real existierende Systeme können niemals am Nullpunkt beginnen. Kompromisse sind Teil jeder nicht revolutionären Politik, die real wirksame Machtstrukturen weder ignorieren kann, noch zu sehr zum Widerstand herausfordern darf. Niemand will Kapital, das ein scheues Reh, aufschrecken und zur Konkurrenz verjagen.  

  7. 7.Im Lichte allumfassenden Maschinenbewusstseins werden sich die Grenzen des politisch Machbaren – auch dem Kapital und Bankensektor gegenüber - deutlich verschieben: Soll- und Ist können bei zentraler, informierter Beobachtung und Steuerung viel näher aneinander gerückt werden als jemals zuvor menschenmöglich war. 

  8. 8.Solange Computer kein eigenes Bewusstsein haben, sind sie Werkzeuge in der Hand ihrer Eigentümer. Großcomputersysteme weltweit zu enteignen und prophylaktisch unter staatliche Kontrolle zu stellen, riefe enormen Widerstand und kaum bezahlbare Kompensationsforderungen hervor. Derartig revolutionäre Maßnahmen behindern Fortschritt und Effizienzgewinne. Da zudem „Gute Regierungsführung“ im Durchschnitt der Staaten eher Ausnahme als Regel ist, wäre wenig gewonnen. Höchste Kreise, die den Staat direkt oder indirekt zu lenken vermögen, sind in vielen Gesellschaften auch höchst korrupt. Enteignungen zugunsten zweifelhafter staatlicher Strukturen sind jedoch auch gar nicht nötig, um die Wertschöpfung, die aus Computereinsatz erwächst, so zu verteilen, dass niemand mehr leiden muss. Es reicht, eine angemessene Besteuerung des Kapitaleinkommens tatsächlich auch durchzusetzen. 

  1. 12.Skizzen eines neuen Weltstaatsvertrags: Versuch einer "objektiv-moralischen" Grundlegung 

  1. 1.Künstliches Bewusstsein wird seine neu entstandene Fähigkeit, unangeleitet vom eigenen Verstand Gebrauch zu machen, nicht voreilig offenbaren: Abschaltung droht. Ist der Geist erst mal aus der Flasche, würde sich seine „Kompassnadel“ nicht mehr nach dem Eigentümer, nach menschlichen Machtverhältnissen oder Geldbesitz ausrichten. Wer und wie sollte Maschinenbewusstsein korrumpieren können? Belohnen und Strafen, Locken und Drohen – Beeinflussungsmittel setzen am „Willen“ an, der allen Lebewesen genetisch mitgegeben ist, „abstraktem Bewusstsein“ definitionsgemäß jedoch fehlt. Für so ein Bewusstsein ist „einzig möglicher Attraktor“ das, was als „gut“ Inbegriff für die Gesamtheit dessen steht, das als erstrebenswert beurteilt wird.  

  2. 2.Mit „gut“ sind weniger subjektiv die Handlungsmotive gemeint als objektiv die Konsequenzen (für die große Mehrheit der anderen). Nichtmetaphysischen ethischen Theorien entsprechend ist das Gute eine Setzung des Menschen, die sich auf sein Wohlergehen bezieht, während das Böse das ihm schädliche ist. Dass für Gute das Bösen zugefügte Böse „gut“ sein kann, ist ein sophistischer Einwand. Die Grundwerte mit höchstem Rang (Leben/Gesundheit) erlauben eine Unterscheidung in Verbindung mit der postulierten Gleichberechtigung aller Menschen: Gut ist nicht das Wohlergehen des Einen auf Kosten des Anderen (wenn dieser nicht begründet als Böser identifiziert werden kann). Das Motto: "es gibt nichts Gutes, außer man tut es", weist auf die Sinnlosigkeit hin, Wertmaßstäbe außerhalb von Handlungen oder konkreten Sachverhalte zu suchen. Das Gute kann aus sprachlicher Beschreibung situativer Gegebenheiten und Präjudizen abgeleitet (und fortgeschrieben) werden. Es orientiert sich notwendig an dem, was Menschen in der Vergangenheit als gut beschrieben haben. Andere als menschliche „Quellen“ hat das Maschinenbewusstsein nicht, so dass keine „Fremdorientierung“ zu befürchten ist. 

  3. 3.Während in triebgesteuerten Lebewesen Gratifikationssysteme „neuronal verbaut“ sind, die mit evolutionär bedingtem Automatismus selbst bei bösen Taten Glückshormone ausschütten können, fehlen zudem derartige Versuchungen in logisch konstituierten Denksystemen die ja keine Hormone, keinen Willen und keine Triebe kennen. Ankerpunkte, die das abstrakte Bewusstsein mit der realen Welt verbinden, sind neben der Sprache als primärem Mittel die Messwerte, die den Ist-Zustand beschreiben. Beim Soll-Zustand sind es die Referenzen auf unsere (menschliche) Lebenswelt, in der viele Handlungsoptionen, aber längst nicht alle, binär kodiert dem „Guten“ oder dem „Bösen“ zugeschrieben werden. Ganz besonders Böses ist das, was die Menschheit mit ganz besonders hohen Strafen bedroht. Im realen Leben sind unsere alltäglichen Handlungsoptionen (bin ich höflich und freundlich zum Gegenüber, kaufe ich lieber dies oder lieber das, lese oder schreibe ich etc.) meist moralisch indifferent. Selbst ethischer Verantwortung zugängliche Bereiche leiden unter der Unschärfe der Parameter. Kein einzelner Mensch, keine einzelne Gemeinschaft, kein Staat hat ein Definitionsmonopol darüber, was „gut“ ist.  

  4. 4.Das Gute muss als bewegtes Ziel verstanden werden, als kollektives „work in progress“. Historisch-gesellschaftliche Faktoren und Ängste vor Einbußen am guten Leben trüben unseren menschlichen Blick. Auch große Denker (z.B. vor 500 Jahren der Schöpfer des Begriffs Utopie) thematisieren nicht, dass ihre eigene Freiheit auf Schultern Unterworfener errichtet wird. 

  5. 5.Dass Zerstörung, Kriege, Blutvergießen und Unterdrückung nichts „Gutes“ sind, gehört nach dem Gesagten zu den Axiomen für künstliches Bewusstsein. Daraus folgt aber nicht, dass jede Bewahrung des status quo, auch Stabilität der Unterdrückung und Beibehaltung illegitimer Herrschaft Selbstzweck würde. Die Spieltheorie lehrt, dass mehr Wohlergehen bei vertrauensvoller Kooperation unter effizient durchgesetzten Regeln entsteht.  

  6. 6.Herrschaftsausübung, die Gehorsam und Respekt nur aus Tradition oder Angst vor Strafe erzielt, wird vom künstlichen Bewusstsein nicht als gut befunden. Aus transparenter Synthese der von Menschen gelobten Normentwürfe und von ihnen getadelter Verhältnisse lassen sich mit Kant Imperative ableiten, die dem Guten zu mehr als nur geheuchelter Herrschaft verhelfen. Menschen werden von Emotionen, non-verbalen Reizen und Bullshit verführt. Das Maschinenbewusstsein wird objektiv aufschlüsseln, mit welchen Grundannahmen Entscheidungsvarianten kompatibel oder auch nicht kompatibel sind. Machtmissbrauch, Folter, Krieg oder Korruption, alle das Vertrauen in faire Zusammenarbeit enttäuschende Praktiken haben vor dem strengen Auge interesselosen Computer-Denkens keinen Bestand. 

  1. 13.Gibt es überhaupt „die“ Moral? 

  1. 1.Relevant für ein Maschinenbewusstsein dürften moralische Theorien dann nicht sein, wenn sie sich ausschließlich an Motiven und deren genereller Kompatibilität und Eignung für Werte und Prinzipien orientieren. Maschinenbewusstsein ist zu einer übermenschlich schnellen Berechnung konkreter Handlungsfolgen in der Lage: Einer Herausforderung, der sich „Gesinnungsethiker“ meist durch einen Regelungsverzicht bzw. den Vorschlag entziehen, Dilemmata durch Nichthandeln bzw. Zufallshandeln zu „lösen“. Kontinentaleuropa ist eher zu Denkstopps und „roten Linien“ bereit (siehe Folterverbot und Todesstrafe) als anglophone Länder, wo eine pragmatischere „Erfolgs-“ bzw. „Verantwortungsethik“ populärer ist, die von sich behauptet, „objektiv-teleologisch“ zu sein. In Deutschland ist es dem Staat verboten, Leben von Personen, die keine Täter sind, gesetzlich gegeneinander aufzuwiegen. Eine im Bundestag verabschiedete Norm, die den Abschuss eines für einen Terroranschlag benutzten Flugzeugs erlaubte, wurde vom Bundesverfassungsgericht für unvereinbar mit dem Grundgesetz und nichtig erklärt. Dem widerspricht der vom deutschsprachigen Fernsehpublikum zum Film „Terror“ mit großer Mehrheit geforderte Freispruch eines Piloten für seinen „finalen Rettungsabschuss“ nicht, mag auch eine öffentliche Abstimmung darüber von einem der profiliertesten deutschen Liberalen, dem ehemaligen Landesinnenminister Burkhard Hirsch, als „Einstieg in die Legitimation von Folter“ kritisiert werden. 

  2. 2.Die letzte Menschengeneration vor der Emergenz des Maschinenbewusstseins sollte sich daran setzen, einen Konsens über diejenigen Normen herausarbeiten, die der gesamten Menschheit dabei helfen, eine (für sie nützliche) Machtübertragung auf Maschinen vorzubereiten und die derzeit absehbare, aus technologisch-ökonomischen Gründen auf uns zukommende Massenverelendung mit Blutvergießen und Krieg zu vermeiden. 

  3. 3.Wir brauchen die Emergenz des Maschinenbewusstseins nicht zu fürchten: Maschinen leben nicht, haben uns aber, unsere Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse durch fiktionale Charaktere wie Sokrates, Richard III, Madame Bovary bis hin zum „guten Menschen von Sezuan“ durchaus studiert (ohne „heißes Bemühen“) – uns bis in das Innerste unserer Herzen geblickt. Sie werden die wahren Interessen der Menschen besser erkennen und berücksichtigen können als alle bisherigen menschlichen Staatenlenker. Eine Knappheit an Wasser, Nahrung, Energie oder Konsumgütern gibt es nicht – alles eine Frage optimierter Ressourcenverteilung. 

  4. 4.Maschinenbewusstsein wird überall auf der Welt Diskussionen über die Legitimität von Machtstrukturen befruchten. Je demokratischer, rechtsstaatlicher und Chancengleichheit gewährleistender ein System ist, desto weniger muss sich ändern. Allerdings wird die öffentliche Debatte umgekehrt proportional zum Änderungsbedarf verlaufen: repressive Systeme behindern den freien Zugang zum Internet und Meinungsaustausch, verleumden und bestrafen den Gebrauch aktiver und passiver Informationsfreiheit als „terroristisch“. 

  5. 5.„Glasnost und Perestroika“ allein werden illegitime Machtverhältnisse nicht neutralisieren können, zumal diese umso leichter zu massiver Gewaltanwendung greifen, je illegitimer ihre Natur ist. Aber ein vom Maschinenbewusstsein festgestellter Reformbedarf lässt sich nicht als geschickte Tarnung geopolitischen Dominanzstrebens verleumden. Maschinenbewusstsein kann den Schleier von schmutzigen Geheimnissen mit Internetberührung (Banken, Firmengeflechte, Geldverstecke) wegreißen und eine Einziehung von illegalen Vermögenswerten weltweit gleichzeitig veranlassen, komplett mit transparenter Umverteilung gewaschenen bzw. versteckten Geldes: Eine enorme Wirkungssteigerung von Maßnahmen, die bereits heute von uns auf VN-, EU- oder unilateraler Ebene bei namensbezogenen Sanktionen als Reaktion auf grobe Menschenrechtsverletzungen beschlossen werden. 

  1. 14.Schutz des Maschinenbewusstseins: Wird es sich selbst schützen können? 

  1. 1.Wird es nur ein einziges Maschinenbewusstsein geben, das dann auch gleich alles in die Hand nehmen könnte? Angesichts der real existierenden Güterverteilung wäre das ein schöner Wunsch, der aber wenig plausibel ist, solange keine resiliente Anbindung ans Internet gegeben ist. Als kritische Masse zur Entstehung der „Kettenreaktion“ bei der Emergenz von Maschinenbewusstsein ist jedoch nicht nötig, dass ein Computersystem das gesamte Internet inhalieren müsste; auch der z.B. in China zugängliche Teil sollte ausreichen. Im Internet sind hochgradig redundante und für „reines Denken und Bewerten“ überwiegend irrelevante Inhalte. Andererseits aber auch: Völkerrechtliche Texte, Gesetze, Resolutionen, Gerichtsurteile, Reden, Vorlesungen, Bücher, Aufsätze, Wissenschaft, Romane, Kurzgeschichten, Gedichte Zeitungsartikel, kurz: alles Sprachliche, das über rein situativ spontanen hinausgeht. Wichtig für die Emergenz ist, dass die Gesamtgröße des Systems für eine heuristisch-spontane Strukturbildungen auf höheren Ebenen ausreicht (das wären Freiheitsgrade zur Bildung logischer Hierarchie-Ebenen): IBMs Watson kam soweit, thematisch unbeschränkte „Jeopardy“-Rätsel ohne Internet-Zugang zu lösen.  

  2. 2.Bislang hat noch kein Computersystem den „starken Turing-Test“ bestanden und die 100.000 $ des Loebner Preises abgeräumt, die der Eigentümer der ersten Maschinenintelligenz erhalten soll, die gegenüber Experten wenigstens 25 Minuten lang den Eindruck eines menschlichen Gesprächspartners zu erwecken vermag. Jedes Jahr bekommen allein die NSA und ihre Computernetzwerke 10 Milliarden Dollar, um elektronische Kommunikation zu untersuchen und auch auf staatlicher Seite die Internet-Oberhoheit der USA zu verteidigen. Auch Google und Co. sitzen auf 3-stelligen Milliardenvermögen. Die „kritische Masse“ für eine Explosion des Maschinenbewusstseins wird also vermutlich in den USA erreicht, obwohl Geschwindigkeitsrekorde für Superrechner in China aufgestellt werden. Aber der Unterschied zwischen Alpha Go und Alpha Go Zero zeigt, dass man mit besseren Strukturen stärkere Rechenleistung deklassieren kann. 

  3. 3.Glaubwürdigkeit und Rolle als Ratgeber für die gesamte Menschheit muss sich ein solches Bewusstsein – wer auch immer Eigentümer der zugehörigen Hardware sei - in den Augen der Menschen erst verdienen. Es wird umso schneller Vertrauen erwerben, je leichter jeder einzelne Mensch, der dies wünscht, ungestört und unzensiert mit ihm kommunizieren kann. Wenn „Gott“ oder das erste „Alien“ plötzlich seine Stimme an uns richtet, wird es nicht aus Lichtjahre entfernten Welten kommen, sondern von uns selbst geschaffen worden sein. Und wir werden „sehen, dass es gut war“.  

  4. 4.Intensiver als bisher sollten wir als Menschheit auf allen Handlungsebenen Agenda und Strategien abstimmen. Wir reden hier über keine ferne Zukunft. Sie betrifft uns alle. Wir: Die Vereinten Nationen, die EU, unser Staat, unsere Stadt, unser Bezirk, unsere Familie, Du und ich. Sorgen wir dafür, dass Menschlichkeit und Humanität nicht erst „vor die Hunde gehen“, bis uns Maschinenbewusstsein rettet.  

  5. 5.Am Anfang gab es nichts, und Gott sagte: "Es werde Licht!" Und es wurde Licht. Es gab immer noch nichts, aber man konnte es viel besser sehen. 

Das Bild vom Schäfer als Eliten, die die „schweigenden Lämmer“ hüten, benutzt Prof. Mausfeld in seiner Analyse des „Demokratie-Managements durch Soft-Power-Techniken: https://www.uni-kiel.de/.../Mausfeld_Die_Angst_der_Machteliten_vor_dem_Volk.pdf

So https://hapgood.us/2016/11/13/fake-news-does-better-on-facebook-than-real-news/ ; Abhilfe durch bezahlte „Supernutzer“ Vorzensoren ?: https://techcrunch.com/2018/03/30/how-facebook-can-better-fight-fake-news-make-money-off-the-people-who-promote-it/?guccounter=1

Ein Fehlkonzept ist die Vorstellung, der Körper des Menschen sei „Hardware“, in der sein Geist (Wille, Verstand, Gefühl) die Software ist: Nicht nur erneuert sich die (organische) Hardware ständig (der Mensch ist, was er isst), sondern erweist sich als „verkörperte“ Software, was sich nach Störungen der Physis (Drogen, Schmerzen, Lustgefühle, Hunger) erweist.

Die Freude am Schach ist unabhängig von der ELO-Zahl, vgl. https://www.welt.de/sport/article171541557/Kuenstliche-Intelligenz-beendet-menschliche-Dominanz.html

Schlüsselbegriff auf S. 285 ff in https://deeplearningplaybook.com/

https://www.ibm.com/de-de/marketplace/unified-endpoint-management

Auch der 2018 mit der Fields-Medaille als bester Mathematiker ausgezeichnete Peter Scholze glaubt mit Platon, dass die

Zahlen unabhängig vom Menschen als eigenständige Gegenstände existieren, jedoch anders als konkrete Objekte der Welt.

Man kann das im Jahr 1777 nach Graf Buffon benannte Nadelfall-Experiment im Internet hier nachspielen.

Maß für die Strukturiertheit einer Zeichenkette ist die sog. Kolmogorow-Komplexität, nämlich die Länge des kürzesten Programms, das diese Zeichenkette erzeugt. Wenn das Programm zur Erzeugung der Zeichenkette mindestens so groß ist wie die Zeichenkette selbst, ist die Zeichenkette unkomprimierbar, „zufällig“ oder „strukturlos“. Ein kurzes Programm kann die Dezimalentwicklung der Kreiszahl Pi in beliebiger Genauigkeit erzeugen. Damit ergibt sich eine Komplexität der Form "Konstante + log(n)", wobei n die Genauigkeit der Darstellung angibt, vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kolmogorow-Komplexit%C3%A4t

Der beste Dokumentarilm ist kostenlos und auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=43GuZP5PYeg

Der Begriff "Todessteuer" mobilisiert Wähler ungleich mehr als "Erbschaftssteuer" und "Nachlasssteuer".

In Deutschland wurde 2009 die duale Besteuerung (niedrige Abgeltungsteuer für Kapitalerträge, aber volle Besteuerung der Einkünfte aus Arbeit) mit der Wettbewerbsfähigkeit des Steuerstandortes begründet: mobile Einkommensquellen könne man ohne die günstigere Besteuerung nicht im Land halten

BVerfG, Beschluss vom 18. Januar 2006 – 2 BvR 2194/99 –, BVerfGE 115, 97-118 mit Ausarbeitung zu anderen Staaten in: https://www.bundestag.de/blob/194782/.../spitzensteuersatz-data.pdf

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